GALORE Nr. 35

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GALORE Nr. 36 erscheint am Donnerstag, 29. August 2019.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vom 23. bis 26. Mai stehen die Europawahlen an. 500 Millionen EU-Bürger sind dazu aufgerufen, 751 Abgeordnete des europäischen Parlaments zu wählen. Über Jahre hat sich dieses Parlament weiterentwickelt und Schritt für Schritt Kompetenzen hinzugewonnen. Während es früher vor allem darum ging, die anderen Institutionen zu beaufsichtigen, ist es mittlerweile die einzige direkt gewählte EU-Institution, die die Interessen der Bürger vertritt. Zusammen mit den Vertretern der Regierungen der Mitgliedsstaaten kann das Parlament – und damit auch wir – die Richtung mitbestimmen, in die sich Europa bewegt.

Dennoch halten die meisten Deutschen die Wahl des Europaparlaments für unwichtiger als beispielsweise Kommunalwahlen. So kennen laut einer aktuellen You Gov-Umfrage rund 45% der Befragten keinen der Spitzenkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien – in Anbetracht der Bedeutung der Europäischen Union für unser Zusammenleben ein ernüchternder Wert. Und auch beim Interview mit dem fraktionslosen EUAbgeordneten Martin Sonneborn in der letzten Ausgabe konnte man das Gefühl bekommen, dass er einen Großteil der Protagonisten im Europäischen Parlament, sofern er sie denn kennt, oftmals eher belächelt, was in seiner Funktion als Satiriker jedoch sicherlich naheliegt. Das Frotzeln hält ihn aber nicht davon ab, die Europäische Union gerade heute als wichtiger denn je zu erachten – im Gegenteil: dass er sich in diesem Jahr erneut aufstellen lässt, mag bei allem Schabernack vor allem ein Hinweis auf seine Wertschätzung für die Union sein.

Ein weiterer Kandidat, der zur Wahl steht, ist der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis. In der Hochphase der griechischen Schuldenkrise eine große Nummer, trieb er die EU-Kollegen mit seinen linken Theorien regelmäßig zur Weißglut. Seit seinem Rücktritt im Sommer 2015 spielt er in seinem Heimatland jedoch kaum noch eine Rolle. Mit seiner europäischen Bewegung » Democracy in Europe Movement 2025 « (Di EM25) – der deutsche Ableger, für den er jetzt kandidiert, nennt sich » Demokratie in Europa « – hat er Großes vor. Varoufakis möchte nicht weniger als dem » fortschreitenden Verfall « Europas und damit dem Erstarken des rechten Flügels Einhalt gebieten. Im Interview erklärte er mit altbekanntem Elan die Wirtschaft als Wurzel allen Übels und forderte mit Nachdruck, Europa zu einer Quelle für Lösungen zu machen, anstatt zu einem Hort der Probleme.

Varoufakis steht ohne Zweifel für etwas, das auch einige andere Gesprächspartner dieser Ausgabe eint: einen ausgeprägten Hang zur Rebellion. Am offensichtlichsten trifft das wohl auf Matthias Isecke-Vogelsang zu, der als » Punk-Schulleiter « vor einigen Jahren große Aufmerksamkeit erfuhr. Im letzten Jahr ging er in Rente, im Gespräch blickt er noch mal zurück. Ebenso sagt Ex-Fußballprofi Ewald Lienen mit dem Titel seiner neuen Autobiografie bereits selbst: » Ich war schon immer ein Rebell « – und erklärt die Rebellion gleichzeitig zur Bürgerpflicht. Nicht nur Fußballfans kennen ihn als meinungsstarken Systemkritiker, der sich nie auf den Fußball reduzieren lassen wollte. So wird auch im Gespräch über seinen Lebensweg deutlich: Lienen ist nicht nur in Bezug auf das beliebte Spiel mit dem Ball ein Querdenker und Gerechtigkeitsfanatiker, sondern auch, wenn es um politische Missstände geht. Was er wiederum mit der französisch-marokkanischen Schriftstellerin Leïla Slimani gemeinsam hat, die oftmals ihre Stimme erhebt – in ihrem Fall besonders dann, wenn sie über Feminismus und den Islam aufklärt. Sie will die Rechte von Frauen im Maghreb stärken und die emanzipierte Seite der arabischen Welt vertreten. Ihre Themen sind die Menschlichkeit, die Würde und die Freiheit jedes Einzelnen. Das trifft so auch auf den 85-jährigen Soziologen und Kapitalismuskritiker Jean Ziegler zu. Als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung machte er sich auf zahlreichen Missionen ein Bild von den Ungerechtigkeiten der Welt. Im Interview spricht er über die Ursachen und formuliert seinen dringenden Appell, die Weltordnung zu verändern.

Viel Freude beim Entdecken dieser und anderer Rebellen in GALORE Nr. 35, wofür Sie dieses Mal etwas länger Zeit haben als üblich. Unsere nächste Ausgabe erscheint nach einer längeren Sommerpause nämlich erst wieder am 29. August.

Wir wünschen Ihnen bis dahin eine schöne Zeit!

Und nicht vergessen: Am 26. Mai wählen gehen!

Herzliche Grüße aus der Redaktion
Hannah Heubel

Inhalt der Ausgabe