Hamed Abdel-Samad

Hamed Abdel-Samad

„Ich soll für meine Meinung getötet werden: Wenn das kein Faschismus ist, was dann?“

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Zur Person

26.03.2014, Berlin. Es ist das zweite Gespräch mit Hamed Abdel-Samad innerhalb von vier Jahren. Das erste Mal trafen wir ihn im Winter 2010 im verschneiten München in der Lobby eines einfachen Hotels mit zu lauter Hintergrundmusik. Es war kurz vor den Rebellionen, die man heute als Arabischen Frühling kennt, und von denen die meisten westlichen Beobachter kaum etwas ahnten. Abdel-Samad dagegen nahm die Revolution vorweg, er geißelte die Autokratien der islamischen Welt und hielt ein Plädoyer für die sich regenden demokratischen Kräfte Arabiens. Heute sprechen wir wieder miteinander, Abdel-Samad ist in Berlin. Die Euphorie über die Revolution hat sich gelegt, in zu vielen Ländern gelangten nach dem Umsturz keine Demokraten, sondern Fundamentalisten an die Macht. Es folgt ein Gespräch über den Islam der Gegenwart, das zwischen Zweifel und Hoffnung schwankt.

Herr Abdel-Samad, Islamisten haben Sie zum Tode verurteilt, haben Sie Todesangst?

Hamed Abdel-Samad: Wenn hochrangige Gelehrte meine Tötung fordern und es weltweit Millionen Fundamentalisten gibt, die Ungläubige töten wollen, bin ich halt ein Ziel und habe deswegen auch Polizeischutz. Ich versuche aber ohne Angst damit umzugehen, ich passe auf mich auf. Die wollen, dass ich schweige, den Gefallen tue ich ihnen aber nicht. Das ist ein Beleg für den faschistoiden Charakter des Islams: dass hochrangige Vertreter des Islam diese Fatwa gegen mich ausgesprochen haben. Ich soll für meine Meinung getötet werden: Wenn das kein Faschismus ist, was dann?

Haben Sie sich noch nie gedacht: Hätte ich bloß nichts gesagt, dann hätte ich jetzt ein entspanntes Leben?

Nein, das Wichtigste in meinem Leben ist die Freiheit, ohne Freiheit will ich dieses Leben nicht.

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