Wolf Haas

Wolf Haas

„Die Literatur hinkt den anderen Kunstrichtungen hinterher.“

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08.11.2006, Bochum. Wolf Haas liest am Abend im Schauspielhaus. Der Erfinder des österreichischen Privatdetektivs Simon Brenner vertreibt sich die Zeit mit Kaffee und Zeitschriftenlektüre in einer Bar im Ausgehviertel der Stadt und wirkt im Gespräch ruhig und reflektiert.

Herr Haas, Sie beschäftigen sich seit Jahren mit Sprache. Erst als Werbetexter und Lektor an der Uni, nun als Autor. Haben Sie mit den Jahren herausgefunden, in welchem Bereich des Lebens die ehrlichste Sprache gesprochen wird?

Wolf Haas: (überlegt) Ich kann das nicht allgemein beantworten, aber was mich betrifft, ist mir aufgefallen: Ich spreche am ehrlichsten, wenn ich verzweifelt bin. Wenn ich als Werbetexter richtig unter Druck stand, habe ich herumgeschrieen und Leute beschimpft. Es war beinahe überlebenswichtig, dass ich mich verbal gegen den Stress wehrte. In solchen Momenten wirft man alle verbalen Strategien über Bord. Ich bin eigentlich ein freundlicher Mensch, daher empfand ich meine Ausbrüche als sehr interessant.

Empfanden das die Kollegen auch so?

Was mich überrascht hat: Das Feedback war positiv. Ich glaube, man freut sich einfach, wenn man plötzlich mal so etwas Menschliches wie einen Aufschrei mitbekommt. Dann ist es nämlich vorbei mit der Kalkulation. Man will gar keinen Effekt mehr erzielen und vergisst die Wirkung, die so ein Ausbruch hat. Im Grunde kommuniziert man fast instinkthaft.

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