Vanessa Springora

Vanessa Springora

„Einwilligung setzt Freiheit und Gleichheit voraus.“

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  • Paul Lehr
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Zur Person

30. April 2020, Paris. Eine Besprechung jagt die andere. Vanessa Springora bewegt sich mit dem Laptop durch ihre Wohnung, sucht einen Platz, wo wir in Ruhe sprechen können. Sie ist im Homeoffice, jongliert zwischen ihrem Job als Verlagsleiterin und den zahlreichen Presseanfragen zu ihrem Bestseller „Die Einwilligung“. Sie streicht sich die dunklen Haare zurück und wartet offenen Blickes auf die ersten Fragen. Neugierig wirkt sie, ein charmantes Lächeln umspielt ihre Lippen. Höchst konzentriert lässt sie sich auf das Gespräch ein, taucht ein in die Vergangenheit mit Gabriel Matzneff, dem Mann, der sie als Pubertierende verführt und in tiefste Bedrängnis gestürzt hat.

Madame Springora, Sie sind Verlegerin, aber misstrauisch gegenüber Büchern. Wie passt das zusammen?

Ich arbeite seit mehr als 15 Jahren im Verlagswesen, hatte immer dieses Misstrauen, sowohl gegenüber Büchern als auch gegenüber Autoren. Dabei versuchte ich, zwischen Text und Autor zu unterscheiden. Ganz einfach ist das aber nicht, denn manchmal bewundert man ein Buch, der Autor aber ist einem nicht unbedingt sympathisch. Vielleicht wäre es in manchen Fällen sogar besser, den Autor gar nicht persönlich zu kennen, sondern nur das Universum, das er in seinem Werk offenbart. Ganz besonders aufmerksam bin ich, wenn es sich um Autofiktion handelt, also autobiografisch geprägte Fiktion. In dem Fall achte ich sehr darauf, dass die beschriebenen Personen nicht karikiert oder allzu sehr stilisiert werden. Schließlich ist mir das selbst passiert, indem mich Gabriel Matzneff in seinen Werken zu einer ziemlich schlichten literarischen Figur gemacht hatte.

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