T.C. Boyle
„Es ist bereits fünf nach zwölf.“
Zur Person
Thomas Coraghessan Boyle (geboren am 02. Dezember 1948 in Peekskill, New York als Sohn eines Busfahrers und einer Sekretärin) jobbt nach seinem Studium zunächst als Highschool-Lehrer und rutscht bald darauf in eine Alkohol- und Heroinsucht ab. Er geht zurück an die Uni, promoviert und besucht den renommierten „Writer’s Workshop“ der Iowa State University. Bereits sein erster Roman „Wassermusik“ wird 1983 zum US-Bestseller, es folgen bis heute zwölf Bände mit Kurzgeschichten und zwanzig Romane, inklusive seines neuesten Werks „No Way Home“. Seit 1986 ist der Autor als Professor an der University of Southern California tätig und gibt dort Blockseminare im kreativen Schreiben. T.C. Boyle lebt mit seiner Frau in Santa Barbaras Reichenviertel Montecito. Offenbar in Strandnähe.
19. Januar 2018, in der Nähe von Santa Barbara. T.C. Boyle sitzt in einem Café und lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen, wie er zu Beginn des Telefonats erklärt. Er wirkt, wie man ihn von früheren Begegnungen kennt: unaufgeregt, gelassen, zufrieden mit sich und dem Moment. Dabei ist dem Schriftsteller unlängst Verheerendes widerfahren: Montecito, dieses wunderschöne Dorf an der kalifornischen Küste, wurde von Feuersbrünsten dem Erdboden gleichgemacht. Eine der wohlhabendsten Gemeinden der gesamten USA, Dutzende von atemberaubend schönen Villen: alles nur noch Ruine. Es wirkt wie ein mysteriöses Schicksal, dass ausgerechnet einer der dringlichsten Mahner der globalen Erwärmung verschont wurde. Und doch auch ein Opfer ist.
Mr. Boyle, Sie leben in einem meisterlichen Haus des Architekten Frank Lloyd Wright, das Sie von Grund auf restauriert haben. Nun haben die Waldbrände in Kalifornien Ihr Idyll bedroht. Wie ist die Lage derzeit?
Es war eine verheerende Katastrophe, entsetzlich. Mein Haus steht nur zwei Blocks entfernt von dem schlimmsten Feuer, das je in der Region gewütet hat. Zum Glück ist es dort hügelig, und so haben sich die Flammen weiter ins Tal gefressen, statt zu uns den Hügel hinaufzuklettern. Unser Haus ist also verschont geblieben, uns geht es gut. Jedoch dürfen wir seit dem Feuer nicht mehr ins Haus hinein – die ganze Stadt ist abgesperrt. Es steht zwar außerhalb der abgesperrten Zone, aber wir müssten durch diese hindurch, um hineinzukommen. Ich war erst am Montag dort und habe mit den Verantwortlichen gesprochen, ob ich einmal kurz ins Haus dürfte. Sie sagten einfach nein.
Klingt, als würden Sie das nicht verstehen?
Ich empfinde eine große Ungerechtigkeit gegenüber all jenen, die vom Feuer eh schon genug bestraft wurden. Andererseits gibt es gute Gründe für die Vorsichtsmaßnahmen, denn die Stadt ist ein Schlachtfeld. Es gibt kaum ein Haus, das unbeschadet blieb. So gesehen haben wir wirklich viel Glück gehabt.