Steve Horvath

Steve Horvath

„In naher Zukunft werden die meisten 100 werden.“

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Zur Person

15. Juli 2018, Frankfurt. Wir treffen Steve Horvath an einem Sonntagmittag in einer Diskothek, die nur für uns geöffnet hat. An diesem Ort stand früher das erste Museum der Stadt, ein Bankier präsentierte hier vor mehr als 100 Jahren die Statue „Ariadne auf dem Panther“ der Öffentlichkeit. Horvath schaut in den nur leicht beleuchteten Raum und sagt: „Ich muss mal wieder in so einen Laden gehen, um zu tanzen.“ Früher oder später – denn viel Zeit hat er nicht. Der 50-Jährige ist ein begehrter Forscher, seit er an der Universität von Kalifornien in Los Angeles die „epigenetische Uhr“ entdeckt hat. Kann man damit das Sterbedatum voraussagen? Gar das Altern aufhalten? Mit leicht englischem Akzent redet der gebürtige Hesse über das Leben, das Sterben und die Zeit, die einem bis dahin bleibt.

Herr Horvath, Sie haben eine verblüffende Entdeckung gemacht: die „epigenetische Uhr“, mit der Sie nicht nur messen, wie alt jemand ist, sondern auch prognostizieren können, wann eine Person voraussichtlich stirbt. Haben Sie schon Ihr eigenes Sterbedatum berechnet?

(lacht). Ja, demnach werde ich etwa 82 Jahre alt. Aber der Fehlerbalken bei den Messungen ist noch sehr groß.

Wer will überhaupt wissen, wann er oder sie stirbt?

Vor Kurzem habe ich einen Vortrag gehalten, da war ein Mann im Publikum, der war Mitte 80 und der wollte das unbedingt wissen, denn er wollte sein Ableben planen. Ältere Menschen können beispielsweise besser ihr Erbe organisieren, wenn sie wissen, wann es soweit sein wird. Und wenn eine 50-jährige Frau davon ausgehen kann, sie lebt noch 35 Jahre gesund, dann beginnt sie vielleicht noch ein Studium.

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