Sönke Wortmann

Sönke Wortmann

„Ich würde niemals eine Figur verraten.“

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  • Michael Englert
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Zur Person

08. September 2021, Düsseldorf. „Gehen Sie ruhig noch eine Runde spazieren, wenn Sie mögen. Das dauert noch eine Weile. Ach nein, wir waren ja schon beim Du.“ Beim Gespräch mit dem Journalisten, der sich per Bildschirm nach Kaiserswerth geschaltet hat, vergisst Sönke Wortmann nicht das Wohl des Fotografen, der auf seinen Einsatz wartet, sobald das letzte Wort gesprochen und die Verbindung gekappt ist. Der Regisseur ikonischer deutscher Filme wie „Der bewegte Mann“, „Das Wunder von Bern“ oder „Der Vorname“ hat seinen ersten Roman geschrieben, Politdrama wie Liebesgeschichte, eine sensible Erforschung der Macht der Sprache und des Seelenlebens derer, die sie anwenden, die sich von ihr anwenden lassen und die sie weitgehend meiden.

Sönke Wortmann, da verfassen Sie als berühmter Filmemacher Ihren ersten Roman und die mit Abstand lächerlichste Figur darin ist ein Schriftsteller. Narzisstisch begleitet er die deutschen Delegationen ins Ausland, ohne Liebe zur Kunst, nur mit Liebe zu sich selbst, stets plappernd, niemals zuhörend. Woher die Lust, ausgerechnet einen Belletristen durch den Kakao zu ziehen?

Diese Einstiegsfrage irritiert mich ein wenig, da diese Figur, Carsten Pollerhoff, im gesamten Buch nur zweimal vorkommt.

Literarisch interessierten Menschen sticht sie aber ins Auge. Haben Sie Schriftsteller so kennengelernt?

Die Charaktere im Buch sind durchaus beeinflusst von Menschen, die ich kenne oder denen ich mal begegnet bin – diese Figur allerdings entspringt ausschließlich meiner Fantasie. Die Schriftsteller, die ich kenne, sind eigentlich nicht so. Ganz generell zeigen sich in der Kulturbranche allerdings schon massive Eitelkeiten. In meinem Hauptberuf als Regisseur für Film und Theater ist es ganz sicher so und das wird auch in der Literatur nicht anders sein. Ich wollte allerdings nicht mit Absicht den Schriftstellern eins auswischen. Die Figur wird auf diese Weise einfach nur interessanter.

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