Hanns-Josef Ortheil

Hanns-Josef Ortheil

„Schreiben ist die Wunschvorstellung der Todesüberwindung.“

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Zur Person

31.01.2014, Köln. Ein strahlendblauer Januartag. Der Schriftsteller und Professor für Kreatives Schreiben Hanns-Josef Ortheil hat den Ort des Gesprächs bewusst gewählt: Das Schokoladenmuseum am Rhein. In den Genusswelten kulinarisch hochwertiger Süßigkeiten kennt sich der Autor bestens aus, sind doch gerade italienische „Dolci“ eine wichtige Inspirationsquelle für seine letzten zwei Bücher – dem Reportage-Buch „Die Insel der Dolci“ (2013) sowie seinem Roman „Das Kind, das nicht fragte“ (2012). In beide Bücher flechtet er eindrucksvolle, autobiografische Ereignisse und fiktionalisiert so das eigene Leben in Literatur. Aus diesem reichen Fundus berichtet Ortheil seit 25 Jahren jungen Schriftstellern: Was Kreatives Schreiben ist und was sie unbedingt benötigen für ihren Beruf.

Herr Ortheil, Sie sind sowohl Schriftsteller als auch Professor für Kreatives Schreiben. Fühlen Sie sich in Ihrem Leben chronisch verdoppelt, als Person eines inneren und äußeren Prozesses?

Hanns-Josef Ortheil: Eigentlich nicht, weil diese Professur keine klassische wissenschaftliche Professur ist, sondern mit Schreiben zu tun hat. Also mit dem, was ich auch als Schriftsteller mache: Schreibprozesse beobachten, mich selbst dabei beobachten und vor allen Dingen Studierende beim Schreiben beobachten. Das ist das Metier. Diese beiden Formen gehen so eng ineinander über, dass ich nicht das Gefühl der wissenschaftlichen Verfremdung habe.

Als Schriftsteller leben Sie den kreativen Prozess des Schreibens. Als Professor durchleuchten Sie ihn. Beeinflusst das Ihre Arbeit?

Das eigene Schreiben muss nach meiner Vorstellung immer so naiv wie möglich bleiben. Das geschieht dann, wenn ich die Selbstbeobachtung, die ich sonst bei Texten anlege, nicht zulasse. Der Schreibprozess muss mir immer das Gefühl vermitteln, dass ich im Text untertauche, in ihm verschwinde. Das Gefühl verbinde ich noch am ehesten mit der Naivität eines Kindes. Als kleiner Junge habe ich Erzählungen geschrieben und gemerkt, wie ich darin verschwand. Ich saß dann mit roten Ohren da, war in der Erzählung und schaltete alles andere aus, was um mich herum war. Dieses stark wegtauchende Element des Schreibens ist ganz wichtig, das Zurücklassen der Selbstkontrolle.

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