Dirk Neubauer

Dirk Neubauer

„Wir brauchen ein neues Verhältnis zwischen Bürger und Staat.“

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Zur Person

13. September 2019, Berlin. Dirk Neubauer wartet im Cafégarten des Literaturhauses Berlin, einer kleinen Oase der Ruhe in Kudamm-Nähe. Der hektische Trubel in Berlin sei nicht so seine Sache, sagt der SPD-Kleinstadtbürgermeister aus dem sächsischen Augustusburg, der zuletzt medialen Trubel durch sein Buch „Das Problem sind wir“ auslöste. Begleitet vom friedfertigen Geplauder der Gäste an den Nachbartischen entwickelt sich ein Gespräch über die Krise der Demokratie, die Mentalität der Ostdeutschen und konkrete Vorschläge, wie sich das Verhältnis zwischen dem Land und seinen Bürgern verbessern lässt.

Herr Neubauer, Ihr Tübinger Berufskollege Boris Palmer bekommt viel Gegenwind, seit er sich in den sozialen Medien mithilfe provozierender Statements profiliert. Sie äußern sich ebenfalls meinungsstark, nun haben Sie sogar ein Buch geschrieben über das, was in Deutschland anders werden muss. Wirft man auch Ihnen Profilierungslust vor?

Den Vorwurf gibt’s immer wieder mal, und ich bin ja auch jemand, der polarisiert, weil ich auf meinen Digitalkanälen keine Diskussion auslasse. Das mache ich bewusst, um Bewegung in manche Dinge zu bringen. Ich irritiere viele Leute damit, weil ich immer klar sage, was ich denke. In einem Amt, in das man von den Leuten gewählt wird, ist das vielleicht nicht die erfolgversprechendste Art der Kommunikation, um es zu behalten. Aber sie hilft, Klarheit zu schaffen.

Auch in Ihrer kleinen Stadt Augustusburg in Sachsen mit ihren knapp 4500 Einwohnern?

Gerade in einer Kleinstadt gibt es oft Leute, die hintenherum die Fäden ziehen und damit die Stimmung im Ort prägen. Darauf angesprochen lassen sich diese Leute jedoch kaum stellen. Das mag ich nicht. Ich will, dass mir Menschen offen gegenübertreten und sagen, wenn sie etwas anders sehen oder mich für einen Idioten halten. Ich glaube, dass wir im Osten generell lernen müssen, klare Positionen offen zu äußern – ohne dabei jeden, der dies tut oder ab und zu in der Zeitung zu Wort kommt oder die sozialen Medien benutzt, gleich als Selbstdarsteller zu betrachten. Wobei ich sagen muss, dass ich auf mein Buch bisher nur positive Reaktionen bekommen habe.

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