Thomas Hitzlsperger
„Ein widerspruchsfreies Leben ist nicht möglich.“
Zur Person
Thomas Hitzlsperger, geboren am 5. April 1982 in München, verbrachteseine Kindheit als jüngstes von sieben Kindern auf dem Bauernhof der Familie in Oberbayern. Mit sieben Jahren ging er vom heimischen Dorfverein VfB Forstinning zum großen FC Bayern. Dort erkannte man sein Talent, ließ ihn 2000 aber zum englischen Premier- League-Club Aston Villa ziehen. Nach anfänglichen Problemen erlebte er dort eine erfolgreiche, wenn auch titellose Zeit. Um das zu ändern, wechselte er 2005 zum VfB Stuttgart, mit dem er 2007 Deutscher Meister wurde. Nach weiteren Stationen bei Lazio Rom, West Ham United, VfL Wolfsburg und dem FC Everton beendete er 2013 seine Spielerkarriere. Im Januar 2014 outete sich Hitzlsperger in einem Interview in der »Zeit« als homosexuell. Im Fernsehen stellte er sein Wissen als Experte zur Verfügung, beim VfB Stuttgart startete er 2016 seine Funktionärskarriere, zwischen 2019 und 2022 war er dort Vorstandsvorsitzender. Heute ist er einer der Teilhaber beim dänischen Traditionsclub Aalborg BK sowie Besitzer eines Restaurants in London. Er lebt in München und London.
21. Februar 2024, London. Seit rund einem Jahr ist Thomas Hitzlsperger Besitzer eines Restaurants mit französischer Küche im Londoner Ausgehviertel Soho. Bevor er am späten Vormittag dort ein Meeting leitet, nimmt er sich Zeit für das Interview. Der Ex-Profi erzählt von einem weiteren Investment: Zusammen mit Partnern ist er beim kriselnden dänischen Traditionsverein Aalborg BK eingestiegen. Es entwickelt sich ein Gespräch über Fußball als Leidenschaft und Business, über das Leben in ständigen Widersprüchen – und über den Tag, an dem sich die ersten noch aktiven Profifußballer in Deutschland outen werden. „Aber bitte selbstbestimmt“, wie Hitzlsperger fordert.
Thomas Hitzlsperger, gestern ist Andi Brehme gestorben. Bei den vielen Nachrufen wurde noch einmal sein wichtigster Schuss in Erinnerung gerufen: WM-Finale 1990, Endspiel gegen Argentinien, es steht null zu null – und Andi Brehme versenkt fünf Minuten vor Schluss den entscheidenden Elfmeter zum Titel. Sie waren damals acht Jahre alt …
… und ich weiß noch fast alles über diese WM: das begeisternde Auftaktspiel gegen Jugoslawien, die Tore von Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann, das sehr hitzige Spiel gegen die Niederlande im Achtelfinale mit den beiden roten Karten, das Elfmeterschießen gegen England im Halbfinale. Das Finale habe ich dann zu Hause geschaut, mit der ganzen Familie, die in der Küche versammelt war, weil dort der Fernseher stand.
Sie haben sechs Geschwister, da war die Küche voll.
Genau, es kam einem Public Viewing gleich. (lacht)