Rosa von Praunheim

Rosa von Praunheim

„Der Sinn des Lebens ist Konflikt.“

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Zur Person

29. Oktober 2019, Berlin. Im Flur der Charlottenburger Wohnung von Rosa von Praunheim hängt ein Schild „Make America hate again“, im Wohnzimmer bietet sich ein quietschfideles Sammelsurium aus knallbunten Kissen, Plüschtieren und Bildern. Ein AfD-Nazi mit pinkem Penis ist auf einer Leinwand gebannt, daneben liebliche Blümchen. Rosa von Praunheim, die Minutenmürrischkeit ist schnell verflogen, setzt sich den blaugesichtigen Affen auf die Schulter und posiert ikonenhaft im bunten Frack mit Hut auf dem Kanapee.

Herr von Praunheim, erinnern Sie sich noch an den ersten Kuss zwischen zwei Männern im deutschen Kino?

Das war in meinem Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“. Es war ein ziemlich langer Kuss! 1970 wurde der Film produziert, ein Jahr später hat der WDR ihn ausgestrahlt, vom ARD-Fernsehen wurde er aber verboten. Nach einer Pressekampagne im Jahr 1973 wurde er dann schließlich doch noch im ersten Programm gesendet – außer in Bayern.

20 Jahre später provozierte die „Lindenstraße“ mit dem ersten homosexuellen Kuss der deutschen Fernsehseriengeschichte. Gibt es heute noch solche Räume für Provokationen?

Unterschiedlich. Facebook und Instagram zensieren sehr streng. Da wirst du schnell ausgesperrt. In Mitteleuropa geht es zwar liberal zu, aber gleichzeitig gibt es viele christlich- und islamisch-fundamentalistische Leute, die das nicht akzeptieren. In der Schule finden es Teenager immer noch eklig, wenn sich Frauen oder Männer küssen. Ursprünglich ist Sexualfeindlichkeit durch fast alle Religionen entstanden. Das fängt mit dem Apfel in der Bibel an, dem ersten Sündenfall; dann sollten sich Adam und Eva bekleiden. Moralvorschriften sind durch die Religionen in die Welt gekommen, sei es nun durch den Islam oder durch den christlichen Fundamentalismus.

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