Rainald Grebe

Rainald Grebe

„Ich bin keiner von der Stange.“

Fotos:
  • Nikita Teryoshin
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Zur Person

09. Dezember, Köln. Rainald Grebe ist in Köln geboren, kehrt gerne ins Rheinland zurück, lebt aber in Berlin. Als Interview-Location dient daher die Privatwohnung eines befreundeten Musikers. Bei einer Tasse Kaffee lässt Grebe sich auch durch klingelnde Paketboten nicht aus dem Konzept bringen, sondern diskutiert leidenschaftlich darüber, warum er gerne den Ahnungslosen spielt, wodurch Gesellschaften gespalten werden und wie sich Kunstschaffende heute in ganz anderen Rollen wiederfinden.

Rainald Grebe, Sie leben in Berlin, kommen aber ursprünglich aus dem Rheinland. Wohin führt Sie Ihr erster Gang, wenn Sie zurück in Ihre alte Heimat kommen?

Direkt nach Frechen, wo ich dann bei meinen Eltern übernachte. Ich bin zwar in Köln geboren, meine Familie ist aber ein paar Kilometer weiter nach Frechen gezogen, an den Waldrand, in eine Reihenhaussiedlung. Wieder dorthin zu kommen, ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Die meisten Leute sind etwa zur gleichen Zeit wie wir einzogen, jetzt wohnen dort nur noch Rentner. Die ersten sind schon gestorben, darum drehen sich auch die Gespräche. Wer ist noch da? Wer nicht mehr? Das hat etwas von Endstufe: Jetzt wird sich auf den Tod vorbereitet!

Wie bereitet man sich denn auf den Tod vor?

Ich kann natürlich nicht in die anderen Häuser gucken und deswegen nur von meinen Eltern sprechen. Da wurde das Haus noch mal renoviert, damit es nicht feucht wird, wenn meine Schwester oder ich das später bekommen sollten. Die Sachen werden ausgeräumt, Testamente gemacht, alle Angelegenheiten werden geordnet. Es scheint mir wie ein langsames Darauf-Hinarbeiten zu sein. Sie sind mittlerweile Mitte 80 und merken, dass die Kräfte nachlassen – und trotzdem stehen sie jeden Morgen so früh auf wie zu Arbeitszeiten. Dienst ist Dienst, obwohl es keinen mehr gibt.

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