Maria Schrader

Maria Schrader

„Wenn das Schicksalhafte entfällt: Ist das dann noch Liebe?“

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  • Christine Fenzl
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Zur Person

25. März 2021, Berlin. Maria Schrader sitzt im ehemaligen Kinderzimmer ihrer Tochter am Schreibtisch und trinkt mit Kardamom aromatisierten Kaffee. Dabei könnte sie die Champagnerkorken knallen lassen! Tags zuvor wurde sie zur Honorarprofessorin an der Hochschule für Fernsehen und Film ernannt, ihre Netflix-Serie „Unorthodox“ wurde mit Preisen überhäuft, mit ihrem neuen Film „Ich bin dein Mensch“ spürt sie hinein in eine Zukunft, die uns vielleicht näher ist, als wir ahnen. Ein Gespräch über humanoide Roboter und Menschlichkeit, über die erweiterte Möglichkeit der Liebe in Zeiten der Künstlichen Intelligenz.

Maria Schrader, Ihr jüngster Film handelt von der Beziehung Almas mit einem humanoiden Roboter namens Tom. Ist „Ich bin dein Mensch“ ein Liebesfilm?

Ja, es ist ein Liebesfilm, wahrscheinlich eine Mischung verschiedener Genres: Der Film beginnt wie eine romantische Komödie; in der zweiten Hälfte wird er zwischendurch auch dramatisch. Es sind auch Elemente einer „Screwball“-Comedy darin, wie in den alten Filmen mit Katharine Hepburn, Jimmy Stewart oder Cary Grant. Die Hauptdarstellerin Maren Eggert wechselt spielerisch zwischen Komik und Tragik, und Dan Stevens tritt am Anfang wie ein klassischer Gentleman auf. Wir haben uns schließlich auf den Terminus „melancholische Komödie“ geeinigt.

Der internationale Filmtitel „I'm Your Man“ erinnert an Leonard Cohens gleichnamigen Song. „I'll do anything for you“ singt Cohen. Ist es ein Ausdruck von Liebe, alles für einen Menschen zu tun?

Das ist schön, dass Sie den Cohen-Song zitieren! Das ist einer der Lieblingssongs von Emma Braslavsky, die die Kurzgeschichte geschrieben hat, von der das Drehbuch inspiriert ist. Die Liedzeile hat viel mit dem Roboter Tom zu tun: Er ist nur dafür da, Almas Wünsche zu erkennen und zu erfüllen, mit dem Ziel, sie glücklich zu machen. Genau daran scheitert Alma aber, an der Akzeptanz, dass es ein Individuum geben soll, das ihr jederzeit zur Verfügung steht, das ausschließlich für sie existiert. Damit kommt sie nicht klar.

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