Kurt Groenewold

Kurt Groenewold

„Ich hatte keinen Konflikt.“

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Zur Person

20.05.2009, Köln. „Terror-Anwalt“ nannten Politiker und Medien den Wahlverteidiger von Andreas Baader und Gudrun Ensslin in den 70ern. Man bezichtigte ihn, die RAF zu unterstützen und klagte ihn an. Das Urteil, zwei Jahre auf Bewährung trotz dürrer Beweislage, werteten Juristen als Konzessionsentscheidung. Kurt Groenewold hat die Beschuldigungen stets kühl gekontert. Ein feines Lächeln umspielt seine Mundwinkel, wenn der Mann mit dem weißen Haarkranz und dem dunklen Zweiteiler von damals spricht. Die Stimme ist weich, der Ausdruck trocken und präzise. Groenewold geht es, das sagt er mit jeder Silbe, jeder Geste, noch heute stets ums Recht. Auch dann, wenn er über aktuelle Vorgänge wie Guantanamo oder die Veränderungen des Rechtsempfindens in der modernen Gesellschaft spricht.

Herr Groenewold, die politischen Mandate für Sympathisanten der linken Szene ziehen sich wie ein roter Faden durch Ihre Arbeit als Strafverteidiger. Wie kam es dazu?

Kurt Groenewold: Zunächst war das ein Zufall. Damals war Wolfgang Neuss mein Schwager, Neuss war das Bindeglied zwischen Studenten und Intellektuellen. Er hatte das Erkenntnis- und das Sprachvermögen, die eine Sprache in die andere zu übersetzen. Ich habe das bewundert. Neuss hatte auch Kontakt zu dem Anwalt Horst Mahler, der in Berlin Studenten verteidigte. Ich habe dann die Mandate der Protestbewegung in Hamburg übernommen.

Anhänger des anderen Lagers hätten Sie aber nicht verteidigt?

Ich bewegte mich damals in einem ähnlichen Denken wie Teile der Protestbewegung. Die historischen Bezugspunkte waren die Nazizeit, die Nachkriegszeit, der Anti-Kommunismus. Eine andere Motivation war die Gegnerschaft gegen Krieg, insbesondere gegen den Vietnam-Krieg. Auch KZ-Wächter sollten eine gute Verteidigung haben. Verteidigt hätte ich selbst sie damals aber nicht.

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