Bettina Böttinger

Bettina Böttinger

„Ich wollte immer erfahren, wie Leben funktioniert.“

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Zur Person

13.08.2016, Köln. Die Wandgemälde im Funkhaus-Café am Wallrafplatz entstanden 1957, als Bettina Böttinger gerade laufen lernte. Längst ist sie eines der bekanntesten Gesichter des WDR, der sie zum 60. Geburtstag mit einem Film ehrte und auch zu zehn Jahren „Kölner Treff“ gratulierte. In ihrer Karriere hat die Moderatorin schon Tausende Gespräche geführt. Meistens ging es darin um das Leben von anderen. Wenn sie jetzt über das eigene zu erzählen beginnt, bleibt eine Stunde Zeit – mehr als in jeder deutschen TV-Talkshow. Überziehen will man am Ende trotzdem, weil Bettina Böttinger die Kunst des Antwortens ebenso beherrscht wie die des Fragens.

Frau Böttinger, wir sprechen hier miteinander im Funkhaus-Café, dessen Interieur an vergangene Zeiten erinnert. Was verbinden Sie mit diesem Ort?

Das Funkhaus-Café erzählt von der guten alten Zeit des Radios, als es eine andere Bedeutung hatte. Und als es sich noch anders anhörte, nämlich wortlastiger. Mit fortschreitendem Alter bin ich in manchen Punkten konservativ geworden und höre leidenschaftlich gern den Kultursender WDR 3, der gute Wortbeiträge sendet. Dagegen bin ich keine Freundin des Formatradios mit grundsätzlich kurzen Wortbeiträgen, ohne den Kolleginnen und Kollegen jetzt auf die Füße treten zu wollen. Es ist einfach nicht meins.

Auch Sie arbeiteten fürs Radio. Erinnern Sie sich, wie alles begann?

Meine erste Radioreportage machte ich in Erpel. Das liegt neben Unkel, bekannt geworden als der letzte Wohnort von Willy Brandt. Die Einwohner leiden gelegentlich unter Hochwasser. Damals war es so stark, dass unter anderem eine über 70-jährige Dame nicht mehr in ihr Haus kam. Aber sie wusste sich zu helfen, indem sie sich ein Paddelboot anschaffte und darin durch ihr Haus fuhr. Sie werden es nicht glauben, ich weiß sogar noch ihren Namen: Gerda Grigoleit. Während Sie mir heute übrigens mit einem winzigen Aufnahmegerät gegenüber sitzen, stand uns ein Schweizer Gerät der Firma Nagra zur Verfügung, zentnerschwer und extrem teuer. Wir sprechen über die vor-digitale Welt in den Achtzigerjahren. In dieser ersten Reportage für den Rundfunk hatte ich die Aufgabe, den Beitrag beziehungsweise die entsprechenden Zitate zu kennzeichnen. Ich steckte lauter kleine Papierschnipsel in das Band und kam zu einer schlechtgelaunten Tontechnikerin im Bonner WDR-Studio. Die stellte die Nagra auf Vorlauf, sämtliche Schnipsel flatterten durch das Tonstudio. Ich war einem Nervenzusammenbruch nahe. Tatsächlich wollte sie mich nur ein bisschen ärgern. Beim Fernsehen waren die Anfänge ebenfalls skurril.

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