Aleida Assmann

Aleida Assmann

„Die Deutschen wollen mit ihrer Nation nichts zu tun haben.“

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  • Ines Janas
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Zur Person

04. November 2020, Konstanz. Denkt man intensiv über Deutschland nach, kommt man an den Gedanken zur Republik von Aleida Assmann kaum vorbei. Wie keine Zweite prägt die Forscherin und öffentliche Intellektuelle zusammen mit ihrem Mann Jan Assmann die Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit. Jetzt hat sie ein Buch über den Nationalstaat geschrieben, um damit eine in Deutschland vernachlässigte, jedoch in ihren Augen wichtige Debatte neu zu beleben. Im Gespräch erfährt man, warum sie den Nationalstaat mit einem am Gepäckband vergessenen Koffer vergleicht, welche Textstellen sie beim Singen der Nationalhymne verändert und wer für sie als Verfasser eines neuen Liedes der Deutschen infrage käme.

Aleida Assmann, mögen Sie die deutsche Nationalhymne?

Gegen die Musik kann man nichts haben. Joseph Haydn hat das sehr schön gemacht.

Aber?

Vielleicht hapert es am Text. Wie kann man ein Lied anstimmen, von dem man weiß, dass man dessen erste Strophe nicht singen darf? Das ist bereits eine Schieflage, die den Enthusiasmus dämpft. Auch die letzte Strophe kommt einem nicht leicht über die Lippen. Die Worte „Vaterland“ oder „brüderlich“ sind nicht jedermanns Sache, besonders für die jüngere Generation nicht. Aber auch ich merke, dass mir die Worte über die Lippen stolpern. Das „brüderlich“ ersetze ich automatisch durch „schwesterlich“.

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