Ahmad Mansour

Ahmad Mansour

„Unsere Leitkultur ist unser Grundgesetz.“

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Zur Person

6. September 2018, Berlin. Der Psychologe Ahmad Mansour hat mit seinem Unternehmen „MIND prevention“ gerade erst neue Räume bezogen. Die Büros sind bis auf wenige Möbel noch leer, im Regal stehen ein paar Exemplare von Mansours neuem Buch „Klartext zur Integration. Gegen falsche Toleranz und Panikmache“. Er schreibt darin viel über muslimische Parallelgesellschaften mit patriarchalischen Strukturen. Mansour, gebürtiger Palästinenser, ist es von vielen Auftritten im Fernsehen und auf Podien gewöhnt, seine Agenda schnell und entschieden vorzubringen. Schon nach kurzer Zeit aber lässt er sich ein auf ein kontroverses, auch an Schmerzpunkte stoßendes Gespräch.

Herr Mansour, schon seit Ihrem Buch „Generation Allah“ stehen Sie unter Polizeischutz, jetzt begeben Sie sich mit „Klartext zur Integration“ einmal mehr ins ideologische Minenfeld. Warum ist es das wert?

Es geht um die Zukunft unserer Kinder. Konkret: Es geht um meine Kinder. Ich will einen Beitrag dazu leisten, dass wir etwas reflektierter über die Herausforderungen und die Probleme reden, vor denen wir stehen. Nicht, weil ich vorhätte, eine bestimmte Gruppe von Menschen schlecht dastehen zu lassen. Ich bin selbst Moslem und Zuwanderer. Geschichten wie meine gibt es viele in diesem Land. Aber es gibt eben auch andere. Diese müssen wir ansprechen. Und zwar so, dass wir die Leute gewinnen und Lösungen anbieten können. Ich will mich einmischen. Das entspricht auch meinem Begriff von Heimat. Denn für mich ist Heimat der Ort, an dem ich mitgestalten, mitreden darf.

Integration wird als Feuerwehr-Vokabel seit den 80ern immer dann bemüht, wenn irgendetwas schiefläuft. Tatsächlich ist der Begriff bis heute schwammig. Wer soll integriert werden – und in was?

Erst mal ist Integration kein Zustand, sondern ein Prozess. Und in diesem Prozess befinden sich Menschen auf unterschiedlichen Stufen, was auch völlig in Ordnung ist. Ich kann nicht erwarten, dass der Afghane, der vor zwei Wochen nach Deutschland gekommen ist, sich auf derselben Ebene befindet wie jemand, der als Angehöriger einer dritten Generation hier lebt. Integration bedeutet, Teil dieser Gesellschaft zu sein – oder sich eben in dem Prozess dorthin zu befinden. Vor allem aber meint es – das ist der große Streitpunkt und zugleich das Missverständnis in dieser Debatte –, dass die Verfassung und das Grundgesetz dieses Landes einen Lebensstil vorgeben. Ich lebe danach, ich verstehe diese demokratische Grundordnung als Bereicherung für mich und meine Familie.

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