Musik

25.11. | Album der Woche

Heinz Rudolf Kunze • Auf frischer Tat ertappt - das Jubiläum live

· 25. November

25.11. | Album der Woche - Heinz Rudolf Kunze • Auf frischer Tat ertappt - das Jubiläum live

Foto: Annette Krüger

Freudenfest und Gottesdienst

Nach einer Reihe von Solo-Konzerten war HEINZ RUDOLF KUNZE wieder mit einer kompletten Band unterwegs. Sein neues Live-Album zieht Bilanz und ist Startschuss zugleich.

Herr Kunze, eine Musiknerd-Frage zum Einstieg – welches ist Ihr persönliches Lieblings-Livealbum?
Da muss ich einen Moment nachdenken, weil ich so viele habe. (überlegt lange) Es wird wohl »Live At Leeds« von The Who sein, das nächste wäre »Weld« von Neil Young und als drittes … oh, das ist eine gute, gute Frage. Ich würde »On The Road« von Traffic nehmen.

Worin liegt beim Konzert der größere Reiz für Sie - in einer möglichst akkuraten Reproduktion des Ausgangsmaterials oder der Neubearbeitung?
Das kommt sehr darauf an. Die Art und Weise, wie Dylan zuweilen mit seinen Songs umgegangen ist, war geradezu schnodderig und bösartig. In einem Interview meinte er kürzlich, die Melodien und Akkorde seiner Lieder seien ihm scheißegal, es ginge sowieso nur um die Texte. Da kann er nicht ganz bei sich gewesen sein. Seine Lieder waren live jedenfalls mitunter vergnügungssteuerpflichtig. An sich ist das nichts Schlechtes, wenn man Nummern bearbeitet und in einem anderen Licht erscheinen lässt. Bowie hat das einige Mal sehr interessant gemacht. Beides hat seine Berechtigung, denke ich, die Songs auf der Bühne so exakt wie eine Modelleisenbahn nachzumachen, ist eh unmöglich.

Ich habe überlegt, wann ich Sie das erste Mal live gesehen habe und bin bei einem Konzert im Kieler Werftpark gelandet, irgendwann in den 80ern.
Das war für mich ein besonderes Konzert. Da kam hinter der Bühne ein riesiger Hüne von den Hells Angels auf mich zu. Ich dachte schon, der wollte mich jetzt verprügeln, aber er stand wortlos vor mir, riss sich sein Abzeichen ab und schenkte es mir in Anerkennung des schönen Konzerts.

Hat sich das Publikum verändert, das Verhältnis zwischen Zuschauer und Künstler?
Zum einen ist da eine sehr große Freude, ich spüre aber immer noch eine gewisse Scheu vor zu viel Nähe, aus Angst, sich wieder anzustecken. Da ist noch eine Zurückhaltung, jedoch gepaart mit der Erleichterung, dass es wieder losgeht. Mein Verhältnis zum Publikum hat keinen Schaden genommen. Die Nähe, gerade bei den Solo-Konzerten, war sehr groß und intensiv. Mit der Band ist es ohnehin immer eine Mischung aus Freudenfest und Gottesdienst.

Zwei Live-Alben, im letzten Jahr die Autobiografie »Werdegang« – eine Zäsur für Sie?
Nein, im Gegenteil. Wir arbeiten bereits an einem neuen Studioalbum, das im nächsten Jahr erscheint. Die Band hat einfach so wunderbar gespielt, dass dieses Album ein verdientes Dokument für die Fans sein soll. Da wird aber nichts überbrückt, wir stecken schon wieder tief in der Arbeit.

Heinz Rudolf Kunze Auf frischer Tat ertappt

Heinz Rudolf Kunze Auf frischer Tat ertappt - das Jubiläum live
Meadow Lake Music, 25.November

Nach dem Solo-Livealbum »Wie der Name schon sagt« zeigt Heinz Rudolf Kunze jetzt noch einmal, wie die Konzertversionen seiner größten Hits im vollen Band-Kontext klingen. 21 Songs aus 40 Bühnenjahren sind auf der Doppel-CD »Auf frischer Tat ertappt« zusammengekommen. Beeindruckend ist seine Liveformation, die die Songs mit unglaublicher Verve und Spielfreude umsetzte. O-Ton Kunze: „Die beste Rock’n’Roll-Band weit und breit, die ich da habe.“

Ingo Scheel