Musik

18.10. | Album der Woche

Anna Ternheim • A Space For Lost Time

18.10. | Album der Woche - Anna Ternheim • A Space For Lost Time

Foto: © Cheryl Dunn

Anna Ternheim

BMG • 20. September

Seit 2004 ist die Schwedin Anna Ternheim als Singer/Songwriterin erfolgreich. Ihr neues Album »A Space For Lost Time« steht für Rückschau und Aufbruch.

Anna Ternheim, Sie feiern 15-Jähriges Künstlerjubiläum. Eine besondere Zeit für Sie?

Oh ja, für mich ist das etwas unwirklich. Ich kann kaum glauben, wie schnell die Zeit verflogen ist.

So ein Punkt im Leben bietet ja oftmals Anlass zum Blick zurück. Was kommt Ihnen da als erstes in den Sinn?

Ich muss daran denken, wieviele Sorgen ich mir gemacht habe. Ich erinnere mich auch daran, wie ich nur in mich hineingehorcht habe und kaum mitbekam, was draußen vor sich geht. Es ist mit den Jahren sehr viel leichter geworden und macht mir viel mehr Spaß, eine Künstlerin, eine Musikerin zu sein. Früher war ich meiner Arbeit gegenüber so unglaublich kritisch. Bis zu dem Punkt, dass ich es kaum genießen konnte.

Das hat sich geändert…

Instinktiv wusste ich immer, welche Musik ich machen wollte und wie ich vorgehen sollte. Aber meine künstlerische Stimme habe ich erst über die Jahre gefunden. Die Dinge sind mir mit der Zeit klarer geworden.

Was war der Knackpunkt?

Festzustellen, dass ich ja eigentlich gar nichts falsch machen kann. Es geht um Präsenz, darum, alles zu geben und eine Verbindung zum Publikum herzustellen. Es geht nicht um Perfektion oder darum, nur ja nicht zu versagen. Du kannst ja gar nicht versagen.

Gibt es etwas, das Sie aus diesen Anfangstagen vermissen?

Allein die Tatsache, bestimmte Dinge nicht noch einmal durchleben zu können. Wenn du einen bestimmten Song geschrieben hast, dann wirst du das niemals wieder erleben. Es bleibt eine einmalige Erfahrung. Meine dritte Platte in New York einzuspielen, war ein solcher Kick. Oder die Aufnahmen in Nashville, mit all diesen großartigen Künstlern - das kommt nie zurück.

Wie gehen Sie mit diesen Gefühlen um?

Es gibt nur eine Möglichkeit: Weitermachen. (lacht) Neue Songs schreiben, neue Platten aufnehmen.

Worauf spielt der Albumtitel »A Space For Lost Time« an?

Es ist ein Ort, an dem alles möglich ist. An dem es niemals zu spät ist, um noch etwas Bestimmtes zu tun. All die falschen Entscheidungen, die verpassten Gelegenheiten - an diesem Ort kannst du das noch einmal umkehren.

Eine schöne Vorstellung.

Manchmal denke ich, dieser Ort ist direkt in meinem Kopf. Ein Gefühl, ein Gedanke, dass tatsächlich alles möglich ist. Aber das wird mit dem Alter natürlich schwieriger. Die Sache mit der verlorenen Zeit ist ohnehin merkwürdig. Wenn ich Leute sagen hören ‚Ich habe keine Zeit‘, dann möchte ich ihnen entgegnen: Zeit ist alles, was wir haben.

FAZIT: Reduziert sollte das Album klingen, die Akustiktournee 2017 hatte Anna Ternheim darauf gebracht. Dann gerieten die Songs dynamischer, die Arrangements opulenter. »Am Ende klingt es doch wieder nach einem düsteren schwedischen See«, ihr Fazit. Das ist nicht unwahr, ganz dunkel aber wird es nicht. Songs wie »This Is The One« oder »You Belong To Me« trägt jene Melancholie, die bei aller Traurigkeit immer auch tröstend umarmt.

INTERVIEW: INGO SCHEEL