Musik

12.04. | Album der Woche

Sophie Auster • Next Time

12.04. | Album der Woche - Sophie Auster • Next Time

Next TimeSOPHIE AUSTER

Next Time

BMG • 15.März

Huch, ist das noch...? Auf ihrem neuen Album „Next Time“ singt sich die Tochter von Siri Hustvedt und Paul Auster in ungewohnt tiefen Stimmlagen weit weg von Brooklyn. Sophie Austers Abenteuerlust steckt nicht nur in Songs wie „Mexico“, sondern auch in den Arrangements, die von der Gitarre ans Klavier springen, um dann in Trompeten auszubrechen. Das geht nur mit den richtigen Helfern, wie sie im Gespräch erzählt.

Mexico klingt, als hätten Sie im Urlaub jede Menge Spaß gehabt.

Es war ein wilder Trip! Ein Freund von mir, der Schauspieler und Schmuckdesigner ist, arbeitet bei einem Projekt in Yucatán mit, in dem Frauen in Handarbeit Blusen besticken und Schmuck herstellen, um ihre Community vor Ort zu unterstützen. Er hat eine Gruppe von Freunden eingeladen, sich das Projekt anzuschauen, und weil in letzter Minute eine Schauspielerin abgesprungen ist, konnte ich dabei sein. Es war sehr spannend, diese Frauen kennenzulernen, wir hatten viel Spaß. Und irgendwann habe ich mich dabei erwischt, wie ich schon während der Reise die ganze Zeit „M-m-mm- mexico!“ vor mich hingesungen habe. Erst war es nur ein Scherz, aber als ich es dann zu Hause immer noch gesungen habe, holte ich meine Gitarre heraus und machte einfach einen Song daraus. Unterbewusst hatte ich dabei auch den alten Film Noir „Goldenes Gift“ im Kopf, bei dem eine Femme fatale mit einem Haufen Geld nach Mexiko verschwindet. Der Song war in fünf Minuten fertig, es sind nur drei Akkorde, die sich immer wieder wiederholen. Simpel bedeutet nicht automatisch schlecht.

Welche Rolle spielen andere Menschen für Sie beim Schreiben?

Ich trete zwar mit einer Band auf, aber ich schreibe und komponiere allein. Gerade deshalb hilft es mir manchmal, mich mit Menschen zu umgeben, um neue Eindrücke zu gewinnen. In Mexiko sind wir beispielsweise zu einer Tanzveranstaltung gegangen, zu der wir eigentlich nicht eingeladen waren. Eine Mariachi-Band hat dort gespielt, und meine Freunde schubsten mich auf die Bühne, damit ich mitsinge. Es war so peinlich! (lacht)

Auf dem Album sind neben Ihrer Stimme und Ihrer Gitarre auch ein Klavier, Trompeten und ein Banjo zu hören, hatten Sie die von Anfang an im Kopf?

Ich habe alle Songs zunächst auf der Gitarre geschrieben. Aber als ich anfing, mit meinem neuen Produzenten Tore Johansson zu arbeiten, schlug er vor, alles aufs Klavier zu übersetzen und von dort aus zu arrangieren. Das war eine sehr kluge Idee, weil viele der Songs viel besser am Klavier funktionieren. Ich selbst spiele aber nicht gut genug, um am Klavier zu komponieren. Bei manchen Stücken wusste ich schon genau, wie sie am Ende klingen sollen, während wir bei anderen viel ausprobiert haben. Dabei haben Sie sich gegen die Einordnung als Pop-Künstlerin immer wieder gewehrt. Ich bin nicht nur Pop, aber es hat etwas sehr Befriedigendes, einen guten Popsong zu schreiben. In letzter Zeit bin ich oft mit Annie Lennox verglichen worden. Das gefällt mir ganz gut, weil ich ihre Stimme mag, aber auch, weil sie im Laufe ihrer Karriere viele unterschiedliche Stile ausprobiert hat, von den Eurythmics über ihre Solokarriere bis hin zu dem Wahnsinnscover von „I Put A Spell On You“. Ich bin auch gerne viele Dinge auf einmal.

Wie kam es dazu, dass Sie auf diesem Album tiefer singen als bisher?

Auch das war ein Vorschlag von Tore. Ich sang etwas ein, als er sagte: „Ich glaube, das ist die falsche Stimmlage für dich.“ Zunächst war ich ein wenig beleidigt, schließlich singe ich schon lange. Aber er überzeugte mich, es tiefer zu versuchen, weil meine Stimme dann mehr Charakter hätte – und er hatte recht. Letztlich haben wir viele Stücke tiefergelegt, um sie meiner Stimme anzupassen. Ich bin klassisch ausgebildete Sängerin und neige dazu, in den Höhen sehr trainiert zu klingen. In den tieferen Tonlagen klinge ich mehr nach mir selbst.

Fällt es Ihnen grundsätzlich schwer, solche Ratschläge anzunehmen?

Der Titel “Next Time“ spielt darauf an, dass wir gerne „nächstes Mal“ sagen, wenn wir etwas besser machen wollen. Für mich sollte es jetzt dieses Mal werden. Ich lerne gern dazu, aber das geht nur, wenn man Menschen um sich hat, die man auf seiner Seite weiß. Mit jemandem wie Tore fiel es mir leicht, herumzuexperimentieren und mich auch mal zum Affen zu machen. Jetzt probiere ich ständig herum. Und genau darum geht es: Immer wieder herauszufinden, wie weit man gehen kann. INTERVIEW: BRITTA HELM

FAZIT: Die Liebe zur düsteren Eleganz der Film-Noir-Zeiten hört man auch „Next Time“ an, aber mehr noch als auf ihren letzten Alben hat Sophie Auster Spaß an poppigen Ausflügen. „Dance With Me“ ist ein geradliniger Popsong mit Banjo und Samt-Stimme, während in „Mexico“ ein Trompetentrupp aufspielt und „My Baby“ mit Funk und Rap spielt. Die Brücke nach Hause schlägt schließlich das melancholische „Mary Jane‘s“, in dem Auster von einem Trip nach Coney Island singt.