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11.11. | Album der Woche

Diverse • Here It Is: A Tribute To Leonard Cohen

Blue Note

11.11. | Album der Woche - Diverse • Here It Is: A Tribute To Leonard Cohen

Foto: Tony Vaccaro / Getty Images

Nichts zu machen

Eine illustre Musikerrunde aus verschiedenen Genres erinnert an den 2016 verstorbenen Singer/Songwriter: "Here It Is: A Tribute To Leonard Cohen".

Wie interpretiert man einen Leonard Cohen-Song? Eine Frage, die nicht so leicht zu beantworten ist. Schließlich sind die Songs des kanadischen Musik-Poeten und Vorzeige-Trübsinnblasers keine Lieder im herkömmlichen Sinne. Es sind – seinem literarischen Background geschuldet – vertonte Gedichte. Und er, der 1934 im kanadischen Westmount geborene Künstler, hatte, wenn man ehrlich ist, auch nicht unbedingt eine Stimme, die sich so richtig gut zum Singen eignete. Leonard Cohen war eher ein melancholischer Märchenonkel, der mit dunkel gefärbter Grabesstimme seine berührende, bildgewaltige Poesie vortrug. Aus dieser Not hat er eine Tugend gemacht – und es mit dieser sehr individuelle Kunstform zur Meisterschaft gebracht. Niemand anders klang oder klingt wie er. Nun, wie sich diesen vertonten Gedichten nähern? Norah Jones hat es als stilistisch geschmeidige Sängerin noch fast leicht. Im Opener „Steer Your Way“ dieser späten Cohen-Würdigung-Compilation wird sie niemand mit der originalen Song-Vorlage vergleichen. Sie nutzt diese Freiheit großartig und gibt dem Track eine neue Wendung, haucht ihm eine vorher nicht dagewesene Leichtigkeit und Leichtfüßigkeit ein. Das gilt auch für Soul-Ikone Mavis Staples, die „If It Be Your Will“ zu ihrem ureigenen Track macht. Viel näher am Original orientiert sich da schon Peter Gabriel. Der ehemalige Genesis-Chef übernimmt den Titeltrack und er brummt und grummelt und düstert vor sich hin, dass Leonard Cohen im Musikerhimmel verzückt sein dürfte. Ähnlich cohenesk gibt sich der immerjunge Punk-Opa Iggy Pop bei „You Want It Darker“. Der Song scheint ihm auf den dürren Leib geschneidert zu sein. Von „Coming Back To You“ lässt sich das im Falle von James Taylor leider nicht sagen. Der sanfte Folk-Barde fremdelt hörbar mit dem jazzigen Arrangement der Vorlage. Einen noch schwereren Stand hat Gregory Porter. Der Jazzer mit der Ohrenkappe hat sich mit „Suzanne“ aber auch den undankbarsten Song aus dem telefonbuchdicken Cohen-Katalog ausgesucht. Schließlich ist die romantische Weise über das berühmte kanadische Groupie Cohens Signature-Song. Jedwede harmonische Veränderung – und ist sie wie in Porters Fall auch noch so musikalisch hochwertig – mag man eigentlich nicht tolerieren. Nein, man sehnt sich sofort nach der braven Akustikgitarre, den harmlosen Harmoniewendungen und der verzweifelt grummelnden Kellerstimme Cohens. Ist so. Da kann man nichts machen.

Tribute to Leonard Cohen

Diverse
Here It Is: A Tribute To Leonard Cohen

Blue Note/Universal, 14. Oktober

Musikerinnen und Musiker aus aller Herren Stilrichtungen verneigen sich auf „Here It Is: A Tribute To Leonard Cohen” vor dem kanadischen Songwriter, um ein Dutzend seiner bekanntesten und besten Songs zu interpretieren. Für die musikalische Klammer sorgt Produzent Larry Klein. Gemeinsam mit Top-Musikern wie Bill Frisell (Gitarre), Greg Leisz (Pedal Steeel) und Larry Goldings (Orgel) verpackt er die eher simplen Folk- und Pop-Melodien Cohens in mal komplexe, mal luftig-leichte Jazz-Arrangements.

Gunther Matejka