Literatur

08.07. | Hörbuch der Woche

Hubert Achleitner • Flüchtig

RHA

08.07. |  Hörbuch der Woche - Hubert Achleitner • Flüchtig

Hubert Achleitner
Flüchtig
gelesen von Caroline Peters
RHA, 9 Std. 30 Min.

Immer schön die Panik wegatmen, denkt sich Vik. Als Lehrer hat er’s ja nicht gerade leicht. Doch sein Problem liegt woanders: Es liegt zu Hause. Oder besser: es lag. Seit 35 Jahren ist er mit Maria verheiratet. Er verehrte sie anfangs für ihre Unbekümmertheit, ihr Draufgängertum, das sich nirgends deutlicher zeigte als auf der Skipiste, während er »am liebsten in langen Bögen fuhr und alles gerne unter Kontrolle hatte«.

Nun kontrolliert er gar nichts mehr, denn Maria hat sich seinen Volvo geschnappt und ist weg. Hubert Achleitner, besser bekannt unter dem Künstlernamen Hubert von Goisern, offenbarte bereits in Marcus H. Rosenmüllers dokumentarischer Hommage » Brenna tuat's schon lang « unerhörten Tiefgang als Liedermacher. Jetzt dieser Roman, sein erster. Also nicht mehr nur Verse für einen Abend, sondern echte, lupenreine Prosa, die deutlich länger braucht. Seinem Helden Vik ist das bewusst. Er wird Cineast, »weil ein schlechter Film im schlimmsten Fall nach zwei Stunden vorbei war, während einem schlechte Bücher eine ganze Woche oder länger vermiesen konnten.«

»Flüchtig« ist keines dieser Bücher. Dafür sind Anekdoten wie die über Marias Eltern und deren ominöse Pilzvergiftung zu spitzbübisch, ist die dichterische Intensität im verbotenen Verlieben zu gewaltig und die Ratlosigkeit in Marias Abschiedsbrief zu wahrhaftig. Und doch gibt es Dinge, die Achleitners Vorstoß unterwandern – seine zähen historischen Panoramen etwa, die griechisch-pilcheresken Liebesszenen. Oder die banalen Abrechnungen mit politischen Strömungen, die ihm schon als Liedermacher gehörig gegen den Strich gingen. Hier wirken sie deplatziert, verwässern sie doch das Konzentrat aus Sehnsucht, Mut und Aufbruch. Maria, die Flüchtende, ist Sinnbild dieser Kraft, der sich nur die wenigsten hingeben, die brodelt und zerrt, mal mehr, mal weniger. Der Autor selbst ist dem brodelnden Impuls gefolgt, erkundete Afrika, Tibet, die Philippinen.

Mit seinem Debüt »Flüchtig« feiert er die Freiheit aufzubrechen: »Der Sturm fegte loses Zeug vor sich her und peitschte Wellenmuster in die knorrigen, aus Erfahrung schon demütig gebückten Buchensträucher.« Achleitners Vision steht nicht gebückt, ist kein knorriger Strauch. Sie sucht das Abenteuer, solange sie noch kann. Und atmet dabei jeden Anflug von Panik locker weg.

Christian Lamping