Jeff Bridges

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„Das Leben ist mein Guru“

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Zur Person

11.12.2014, Los Angeles. Mit lautstarker Begrüßung setzt sich Jeff Bridges an den Interviewtisch. Das Hemd unter seinen Achseln ist dunkel von Schweiß verfärbt, aber er strahlt eine so entspannte Energie und Menschenfreundlichkeit aus, dass man schnell darüber hinwegsieht. Ein bisschen wirkt es so, als würde Bridges auf Schritt und Tritt noch immer von der kalifornisch-verträumten Aura der Sechzigerjahre verfolgt, die ihn wie ein ferner Marihuanahauch zu umwehen scheint. Im Gespräch ist der Schauspieler dann aber ganz im Hier und Jetzt und auch thematisch voll bei der Sache. Welcher Hollywoodstar spricht schon über Solschenizyn und den Heiligen Gral, über den Kampf gegen den Hunger und die Suche nach dem Nirwana?

Herr Bridges, wir kennen Sie als coolen „Dude“ aus „Big Lebowski“. Seitdem waren Sie unter anderem Countrysänger, Computermogul und Monsterjäger. Muss man diese Vielfältigkeit dem Publikum oder sich selbst beweisen?

Jeff Bridges: Vermutlich beides. Mein Vater Lloyd Bridges war mir da eine Warnung. Der hatte in den Sechzigerjahren mit der Serie „Abenteuer unter Wasser“, in der er einen Taucher spielte, einen so enormen Erfolg, dass ihn die Leute tatsächlich für einen Taucher hielten und er nur noch Angebote für solche Rollen bekam. Ich habe gesehen, wie sehr ihn das frustrierte, und deshalb wollte ich von Anfang an vermeiden, auf einen bestimmten Typ festgelegt zu werden. Außerdem mag ich Filme, die wilde Kapriolen schlagen und mich in unbekannte Bereiche entführen. Als Zuschauer will ich nicht wissen, was als Nächstes passiert – genau wie bei einem guten Roman, den man vor lauter Neugier immer weiterlesen muss.

Viele Ihrer bekanntesten Filme erzählen die uralte Geschichte vom Kampf Gut gegen Böse. Haben Sie schon mal in der Realität richtig böse Zeitgenossen kennengelernt?

Sie meinen außer mir selbst? (lacht). Ich habe ein Zitat von Alexander Solschenizyn entdeckt, das ich auch dem Regisseur von „Seventh Son“ zeigte – der es als gebürtiger Russe natürlich kannte. Denn ich fand, dass das zu dem Film passte. „Wenn es doch nur böse Menschen gäbe, die heimtückisch böse Taten begehen, so dass man sie vom Rest von uns absondern und sie vernichten könnte. Aber die Trennlinie zwischen Gut und Böse zieht sich durch das Herz jedes Menschen, und wer ist schon gewillt ein Stück seines Herzens zu vernichten?“

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