Kino

Kinostarts der Woche

Thelma • I, Tonya

Kinostarts der Woche - Thelma • I, Tonya

THELMA

Koch • 22. März

Thelma PlakatEin Mann und ein kleines Mädchen sind im tiefen Schnee bei der Jagd. Vor ihnen taucht ein Reh auf, der Mann zielt – nicht auf das Tier, sondern auf das Kind. Für eine so stille, zutiefst verstörende Szene braucht es mindestens einen guten Grund. Der norwegische Regisseur Joachim Trier schickt in „Thelma“ das Publikum auf die Suche nach ebenjener Begründung in die Zukunft des Mädchens: Thelma (Eili Harboe), nun erwachsen, studiert in Oslo, findet aber keinen Anschluss. Der Mann ist ihr Vater (Henrik Rafaelsen) und einziger Vertrauter. Zumindest so lange, bis Anja (Kaya Wilkins) auftaucht und in Thelma Gefühle auslöst, die sie ihrem Vater niemals beichten würde. „Thelma“ eine skandinavische, schlicht gestylte Version des Horror-Klassikers „Carrie“ (1976) zu nennen, würde zwar in die richtige Richtung führen, aber auch die Fährte verlieren, die Trier mit seinem Psychothriller ausgelegt hat. Die nämlich ist weit tiefgründiger und zudem eine überraschend gelungene Kompensation der Bilder zum Auftakt.

Edda Bauer


I, Tonya

DCM • 22. März

I, Tonya PosterTonya Harding, das ist die mit dem dreifachen Axel zu ZZ Top. Die, deren Lippenstift zu grell und deren Trikots für eine 10,0 stets zu schrill waren. Übers Eis hinweg legte sie sich mit Punkterichtern an, während sie von der Tribüne herunter von ihrer Mutter beschimpft wurde. „Die Leute haben mich immer dafür gehasst, dass ich ein Redneck bin“, sagt Tonya geradeheraus in die Kamera. Stimmt, beim Eiskunstlauf tummeln sich eher haufenweise hochnäsige Zicken mit ehrgeizigen Muttis. Aber muss man deswegen mit einer Eisenstange das Knie von Konkurrentin Nancy Kerrigan wettkampfunfähig machen? „Das war nicht meine Schuld!“, zetert Margot Robbie, alias Tonya, durch die vierte Wand hinein ins Kinopublikum. „I, Tonya“ ist die Fake-Doku über eine ungezähmte Sportlerin, die die USA bei den Olympiaden 1992 und 94 vertrat, ohne dafür geliebt zu werden. Es ist die grandios schmerzhafte Studie eines Milieus, in dem sich mütterliche Liebe (hassenswert gut: Allison Janney) durch Schläge ausdrückt.

Edda Bauer