9.9. | Hörbuchtipp: Don Pablo Mulemba • Hundeheimat

aragon hörbuch • 6 Stunden

9.9. | Hörbuchtipp - Don Pablo Mulemba • Hundeheimat
Foto: Bastian Below

»Mehr ostdeutsch geht nicht«

In »Hundeheimat« erzählt Don Pablo Mulemba von seiner Jugend in Ostdeutschland und stellt dabei Fragen nach Identität, Heimat und Zugehörigkeit. Seine Geschichte hat der Journalist selbst eingesprochen.

Don Pablo Mulemba, die Suche nach Heimat zieht sich wie ein roter Faden durch Ihr Buch – von Brandenburg bis nach Angola. Inwiefern hat sich Ihr Verständnis von Heimat auf dieser Reise verändert?

Heimat ist da, wo unsere Geschichten stattgefunden haben und stattfinden werden. Die Orte, an denen wir Geschichten teilen und die Geschichten unserer Vorfahren erzählen. Meine Heimat ist Brandenburg, Berlin und Angola. Ich bin deutsch, ostdeutsch und angolanisch. All das gleichzeitig. Auseinandersetzungen dieser Art werden in Zukunft noch öfter stattfinden, denn gut ein Viertel der Deutschen hat heute eine Migrationsgeschichte. All diese Menschen haben das Recht darauf, diesen Begriff zu definieren.

Als Kind mussten Sie ständig Ihre Hautfarbe erklären und wurden zum Fremden gemacht, obwohl Sie in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Heute weiß ich, dass ich nie zu einem Fremden gemacht wurde. Natürlich gab und gibt es Menschen, die mich als fremd sehen, doch das macht mich noch lange nicht zu einem Fremden. Ich bin im Brandenburg der Neunzigerjahre geboren und im Brandenburg der Nullerjahre aufgewachsen. Ich ging dort in den Kindergarten und zur Schule, lernte dieselben Gedichte und Lieder wie alle anderen Kinder und bin nun seit fast zwei Jahrzehnten in brandenburgischen Sportvereinen aktiv. Meine Eltern lernten sich zu DDR-Zeiten kennen und erlebten hautnah die Folgen des Mauerfalls. Ich kenne den Osten wie meine Westentasche, mehr ostdeutsch geht nicht.

Wie sind Sie als Kind und Jugendlicher mit diesen Situationen umgegangen?

Ich habe viel zu lange versucht, andere Menschen davon zu überzeugen, dass ich dazugehöre. Heute weiß ich, dass es niemandem außer mir selbst obliegt, darüber zu urteilen, ob ich dazugehöre.

Ein Freund der Familie, Amadeo Antonio, wurde während der »Springerstiefeljahre« totgeprügelt. Ihre Eltern wanderten daraufhin nach Angola aus. Sie sind geblieben. Warum?

Die andere Option wäre ja gewesen, meine Eltern nach Angola zu begleiten. Und dort sah ich für mich keine Perspektiven. Andererseits war ich damals auch erst zwölf Jahre alt. Ich glaube nicht, dass ich mir
da schon großartig Gedanken über Perspektiven gemacht habe.

Inwiefern hat sich der Prozess des Schreibens von dem des Sprechens Ihrer eigenen Geschichte unterschieden?

Während des Schreibprozesses sammelte ich Ideen, recherchierte, lernte und vervollständigte meine Geschichte. Beim Sprechen konnte ich ihre Bedeutung nochmal ganz anders reflektieren. Mir wurde auch bewusst, dass meine Geschichte jetzt für immer da ist. Sie ist unsterblich. Die Zahl afro-ostdeutscher Autor:innen kann man vermutlich an einer Hand abzählen. Ich gehöre nun zu diesem Kreis.

Was, hoffen Sie, nehmen Hörerinnen und Hörer nach den letzten Minuten des Hörbuchs mit?

Ich wünsche mir, dass mein Buch viele Menschen zum Nachdenken anregen und für interessante Gespräche sorgen wird. Nicht nur auf Bühnen oder in TV- und
Radiosendungen, sondern vor allem im kleinen Kreis der Familie oder unter Freunden. Man muss keine ostdeutsche oder migrantische Biografie haben, um
mit den Themen, die ich in »Hundeheimat« verhandle, anknüpfen zu können. Diese Themen finden überall statt.


Don Pablo Mulemba - Hundeheimat Cover

DON PABLO MULEMBA
Hundeheimat
gelesen vom Autor
aragon hörbuch, 6 Stunden

Lars Backhaus


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