8.7. | Buch der Woche: Joey Goebel • Sunset Flip
Diogenes
Häufig wird Joey Goebel, ein Mittvierziger aus dem staubigen Kentucky, der es auch mal als Rockmusiker probierte, mit seinem Verlags-Buddy John Irving verglichen. Und tatsächlich: die Absurdität im Alltäglichen; die große Liebe für kuriose Details, auf die niemand sonst achtet; die zwischenmenschlichen Verwicklungen von Personen, die sich lange kennen und immer mehr verlieren (auch in sich selber) – all diese großen Themen finden sich bei beiden Autoren aufs Mitreißendste erzählt. Für seinen neuen, fünften Roman ließ sich Goebel enorm viel Zeit. Der letzte erschien vor 13 Jahren, seither gab es nur eine Sammlung mit Short Stories. Zudem wählte er ein Sujet, das zu Nicht-Amerikanern eher selten spricht, denn was dem Irving sein Ringen, ist dem Goebel sein Wrestling – zumindest in diesem Roman. Sein Protagonist, der Wrestling-Star Auggie Schnuck, hat bald alles gewonnen, was man in seinem Bereich gewinnen kann und arbeitet entsprechend konzentriert auf die sich häufig an eine solche Laufbahn anschließende Schauspiel-Karriere hin. Diese kommt aber ebenso wenig in Schwung, wie seine Langzeit- Liebe zu Nadine immer mehr an Schwung verliert. Auggie wird zu lebendigen Selbstzweifeln, die er bekämpft, indem er zusehends zu seiner Wrestling-Figur »The Aug« wird. Man ahnt, dass das kein gutes Ende nehmen kann – und das tut es auch nicht. Das allerdings ist für die Romane von Joey Goebel ebenso typisch wie ein Ende, das voller Zärtlichkeit für seine Figuren von deren Untergang berichtet.
Sascha Krüger