8.1. | Kinostart der Woche: Rental Family

8.1. | Kinostart der Woche - Rental Family
Foto: Searchlight Pictures

Rental Family

Nach dem Oscar für »The Whale« spielt Brendan Fraser nun in »Rental Family« einen US-Schauspieler, der sich für Rollen der etwas anderen Art anheuern lässt

Mr. Fraser, in »Rental Family« spielen Sie Ihre erste Hauptrolle, seit Sie 2023 mit dem Oscar ausgezeichnet wurden. Ist Ihre Karriere heute eine andere als vor dieser Auszeichnung?

Ich habe seither das Gefühl, nichts mehr beweisen zu müssen. Nicht, dass ich nicht mehr den Ansporn hätte, gute Arbeit zu leisten. Aber ich lasse mich nicht mehr so leicht verunsichern wie früher. Und kann bei der Auswahl meiner Projekte entsprechend viel mehr Sorgfalt walten lassen. Der Anspruch an mich selbst ist gewachsen, deswegen will ich möglichst außergewöhnliche Projekte wie »Rental Family« finden.

Was genau macht den Film der Regisseurin Hikari denn außergewöhnlich?

Der Titel allein macht neugierig. Zu lernen, dass es in Japan Agenturen gibt, bei denen man sich Familienmitglieder mieten kann, war bemerkenswert. Aber ich mag auch, wie der Film einen mit auf eine Entdeckungsreise nimmt, an deren Ende die Erkenntnis steht, dass man auch alleine genug sein kann, wenn man ausreichend in sich selbst hineinhört.

Hatten Sie einen besonderen Bezug zu Japan und der dortigen Kultur?

Ich war Ende der 1990er Jahre einmal privat dort. Da verbrachte ich Zeit auf der Kunstinsel Naoshima, in einem vom Architekten Tadao And? entworfenen Gebäude. Der Kontrast zwischen diesem modernen Betonbau, den grünen Bergen und dem alten Fischerdorf nebenan war faszinierend. Nirgends sonst auf der Welt hatte ich je das Gefühl, so innehalten und meinen Kopf freibekommen zu können wie dort. Durch Japan scheint ein Geist zu wehen, der mich ganz besonders anspricht. Ich kann bis heute nicht genau benennen, was das ist. Aber eigentlich will ich das auch nie endgültig herausfinden, sondern es lieber weiter versuchen herauszufinden.

Zur Vorbereitung auf »Rental Family« haben Sie ein paar Monate in Tokio gelebt.

Ja, das war mir wichtig. Ich wollte mich mit der Sprache vertraut machen, denn meine Figur im Film lebt bereits seit einigen Jahren dort. Aber vor allem wollte ich die Verlorenheit dieses Mannes nachempfinden. Ich bin immer wieder einfach drauflosgelaufen, ohne zu wissen wohin. Einfach, um zu sehen, ob mir Leute helfen, zurück nach Hause zu finden. Trotz oder gerade weil ich in der japanischen Gesellschaft natürlich jemand bin, der sehr heraussticht. Und siehe da: Ich wurde fast immer an die Hand genommen und ans Ziel geführt. Die Fürsorge und den Respekt, den ich als Fremder in Japan erlebt habe, suchen wirklich ihresgleichen.

Rental Family
1 Std. 42 Min.

Seit einem erfolgreichen Werbespot lebt Schauspieler Phillip (Brendan Fraser) einsam in Tokio. Gute Jobs sind Mangelware, bis er bei einer Agentur anheuert, bei der man Familienmitglieder und andere Wegbegleiter mieten kann. Doch Aufträge wie der, den Vater eines kleinen Mädchens zu spielen, bleiben für beide Seiten nicht folgenlos. Die aus Japan stammende und in den USA lebende Regisseurin Hikari macht aus ihrer Culture- Clash- und Selbstfindungskomödie echtes Wohlfühlkino, das meistens am Kitsch, wenn auch nicht immer an der Erwartbarkeit vorbeischrammt.

Patrick Heidmann


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