5.6. | Album der Woche: Mica Millar • A Little Bit of Me
Golden Hour Music
Foto: Bex Aston
Nach einer schweren Wirbelsäulenverletzung suchte Mica Millar in Südfrankreich neue Inspiration. Das Ergebnis ist ihr zweites Album »A Little Bit of Me«.
Mica Millar, zwischen Ihren beiden Platten lagen vier Jahre, die nicht gerade ruhig waren.
Das erste Album war die eigentliche Feuertaufe. Mitten in der Postproduktion habe ich mir den Rücken gebrochen. Dazu kam der Covid-Lockdown. Es war das erste Mal, dass ich überhaupt ein Album produziert habe. Danach fühlte ich mich uninspiriert. Ich brauchte eine Pause und bin allein für vier Wochen in den Süden Frankreichs gefahren, um den Kopf frei zu bekommen.
Sie mussten nach Ihrer Verletzung wieder gehen lernen. Fällt es Ihnen schwer, die Platte zu hören?
Künstler hören sich ja nicht gern selbst an. Aber wenn ich es tue, höre ich etwas, das in all meiner Arbeit steckt: eine stille Stärke, eine Hoffnungsfähigkeit, wie jemand einmal über mich geschrieben hat. Mein Chirurg sagte damals, ich solle dem Ganzen vier bis fünf Jahre geben, dann wisse ich, wie es weitergeht. Ich hatte Schmerzen und dachte: Bleibe ich für immer so? Das relativiert vieles.
Was beschäftigte Sie auf dieser Reise?
Ich habe darüber nachgedacht, was Erfolg für mich eigentlich bedeutet. Es ist eine Lebensentscheidung, mit vielen Opfern, die man bringen muss. Ich hatte all diese Ziele – wenn Sie hinter mich schauen könnten, sähen Sie ein Vision Board, in der Mitte steht groß Stevie Wonder. Letztes Jahr durfte ich im Hyde Park für ihn eröffnen. Vieles auf dem Board ist erreicht. Ich musste mich neu fokussieren und überlegen, was ich eigentlich will.
Was bedeutet Erfolg für Sie?
Das versuche ich immer noch, für mich herauszufinden. Als ich »Heaven Knows« veröffentlicht habe, war jeder Penny investiert. Ich sagte zu meinem Vater: Wenn ich nach diesen letzten 500 Pfund auf meinem Konto noch ein zweites Album machen kann, ist das Erfolg. Das ist nun mehr als eingetroffen. Diesmal wünsche ich mir, dass die Dinge nachhaltiger werden. Erfolg wäre, die Kunst machen zu können, die ich machen will, ohne mich von der Industrie drängen zu lassen, ständig auf den Markt zu schielen.
Aufgenommen haben Sie in den Miraval Studios – Brad Pitts Studio mit fast mythischer Vergangenheit.
Mythisch ist nicht zu hoch gegriffen. Als un- abhängige Künstlerin dorthin zu kommen, hat etwas von Ankunft. Man sagt, man komme kreativ nie an. Aber es gab einen Moment, als ich im Regieraum am Pult saß, neben mir der Engineer, vor mir die Musiker aus Nashville und New York. Ich dachte: Das fühlt sich nach kreativem Ankommen an.

MICA MILLAR
A Little Bit of Me
Golden Hour Music, 5. Juni
Entstand ihr Debüt noch am Klavier, baut Mica Millar »A Little Bit of Me« überwiegend vom Schlagzeug aus auf. Sie wollte mehr Dynamik, einen offeneren, mehr antreibenden Ton – und genau das ist dabei herausgekommen. Mit Marcus Finnie (Keb’ Mo’, Taj Mahal) am Schlagzeug und Daniel Weatherspoon (Beyoncé) an den Tasten findet Mica Millar einen Klang zwischen Sechziger-Jahre-Soul und Gegenwart. Aufgenommen wurde das Album in Brad Pitts Miraval Studios in der Provence, wo schon Pink Floyd und The Cure aufnahmen.
Markus Brandstetter