4.2. | Buch der Woche: Judith Hoersch • Niemands Töchter
Piper
Etwas sperrig wirkt diese Geschichte zu Beginn, die Figuren eine Spur zu klischeehaft. Dass die elfenhafte Marie z.B. im Jahr 1981 mit ihrer Polaroidkamera in Berlin „Momente sammelt“ und tiefsinnige Gedanken unter die Bilder schreibt, auf denen unter anderem ihre erste große Liebe, der bibliophile Leonard zu sehen ist, der sie an Leonard Cohen erinnert, entpuppt sich nur als kitschige Fassade. Autorin Judith Hoersch gräbt tiefer und plötzlich ist Marie spürbar, als Frau, als Tochter, als Mutter. Mutterschaft ist das große Thema des Romans, es verbindet Marie mit den anderen Protagonistinnen Alma, Isabell und Gabriele. Eine Tochter, die ihre Mutter schmerzlich vermisst, eine andere, die vor ihrer Kindheit davon läuft, eine Frau, die um jeden Preis ein Kind haben möchte und eine andere, die keines groß ziehen kann – Hoersch bringt sie alle in einem vielschichtigen und vielstimmigen Gesamtbild zusammen.
Katharina Manzke