31.3. | Buch der Woche: Vera Zischke • Pina fällt aus
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„Ein Mensch genügt. Ein Mensch, der zuhört. Ein Mensch genügt, um die eigene Existenz nicht für einen einzigen großen Irrtum zu halten.“
Als Pina mitten auf der Straßenkreuzung zusammenbricht und auf die Intensivstation gebracht wird, hat sie nur einen Gedanken: Wer kümmert sich jetzt um Leo? Leo – das ist ihr 20-jähriger Sohn, der im Autismus-Spektrum lebt und feste Routinen benötigt, um sich zurechtzufinden. Da wäre beispielsweise die tägliche Situation, dass er morgens erst das Bett verlässt, wenn eine grüne Blase in seiner Lavalampe aufsteigt. Diese und weitere seiner Strukturen kennt sonst nur Pina. Die übrigen Hausbewohner verstehen den merkwürdigen Jungen nicht, da sie schon mit sich selbst genug zu tun haben. Der neue Roman von Vera Zischke beleuchtet zwei zentrale Themen: Einerseits geht es um die Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Da die Autorin selbst Mutter eines autistischen Kindes ist, werden alltägliche Probleme authentisch geschildert und der Leser kann die Gedanken und Gefühle der titelgebenden Figur gut nachvollziehen. Andererseits behandelt „Pina fällt aus“ gesellschaftlichen und nachbarschaftlichen Zusammenhalt, der sich innerhalb eines völlig neuen Alltags entwickelt. Denn obwohl zu Beginn niemand für Leo zuständig sein möchte, braucht der Junge all diejenigen, die am Ende ebenfalls realisieren: sie brauchen Leo auch. Nur anderthalb Jahre nach ihrem Erfolgsdebüt "Ava liebt noch" legt Vera Zischke noch mal voller Witz und Wärme nach, indem sie wieder extrem liebevoll von einer Hausgemeinschaft erzählt, die zusammenhält - und damit zum Vorbild für uns alle wird.
Vera Zischke
Pina fällt aus
List / 304 Seiten / 21,99 €
auch digital erhältlich!