29.5. | Album der Woche: Shakey Graves • Fondness, Etc.

Secret Identity / Dualtone Records

29.5. | Album der Woche - Shakey Graves • Fondness, Etc.
Foto: Jonathan Terrell

Für sein neues Album »Fondness, Etc.« zog sich Alejandro Rose-Garcia alias Shakey Graves mit einer alten Tascam-Bandmaschine in seine Hütte zurück.

Shakey Graves, das »Etc.« im Titel Ihres neuen Albums lässt viel offen – ein ironisches

Augenzwinkern gegen allzu viel Pathos? Ich wollte vermeiden, dass die Platte zu melodramatisch wird. Das passiert leicht, wenn man emotionale Musik schreibt. Anfangs war der Titel nicht so ironisch gemeint, sondern eher beiläufig. Im Sinne von »wichtigste Zeit deines Lebens, Dinge, die man so liebt, et cetera«. Mir ist wichtig, dass Hörer ihre eigenen Gefühle darüberlegen können. Ich versuche, Songs so offen zu halten, dass Verbindungen entstehen, auf die ich mich nie vorbereiten könnte.

Sie haben das Album großteils allein in Ihrer

Hütte aufgenommen, auf einer alten Bandmaschine. Was reizte Sie an diesem Rückzug? Das war Notwendigkeit und Lust zugleich. Kurz vor der Geburt meiner Tochter dachte ich: Das ist vielleicht für lange Zeit meine letzte Chance, hier draußen in meinem Studio aufzunehmen. Meine Tape-Maschine kam nach Jahren gerade aus der Reparatur. Ich hatte keine fertigen Songs. Am Ende des Tages war der erste Song im Kasten, fast genau so, wie er heute auf der Platte zu hören ist.

Was bringt Ihnen Tape kreativ, abgesehen

vom Klang? Es ist eine produktive Begrenzung, eine Spielregel. Bei vier Spuren muss ich mich entscheiden: Singe und spiele ich gleichzeitig auf eine Spur? Verzichte ich auf Stereo-Drums? Diese Einschränkungen erzwingen einen Plan. Ein Handheld-Recorder presst Stimme und Gitarre in einen einzigen Klang, das hat mein Ohr immer geliebt. Und ich muss nicht den ganzen Tag auf einen Bildschirm starren, sondern kann draußen sitzen.

Sie kommen aus der Hardcore-Szene, die ja

für ihre DIY-Ethik bekannt ist. Wirkt das noch nach? Total. Wir haben damals T-Shirts aus dem Secondhand-Laden auf links gedreht und unser Logo auf die Innenseite gedruckt – mehr gab das Budget nicht her. Meine ersten CDs habe ich in Papiertüten verpackt, gebrannt und mit Sprühlack besprüht, damit sie nicht nach Eigenbrand aussehen. Die Polaroids fürs Album habe ich selbst geschossen. Ich kann mir nicht vorstellen, nicht überall meine Hände im Spiel zu haben.

Hat die Vaterschaft Ihre Arbeitsweise

verändert? Mein altes System ist sozusagen pulverisiert. Das ganze Leben wird neu zusammengesetzt, und das ist das Beste daran. Meine Mutter sagte immer: »Du wirst dieses Kind so lieben, dass du wahnsinnig wirst.« Genau das ist passiert.


Shakey Graves Fondness, Etc.

SHAKEY GRAVES
Fondness, Etc.
Secret Identity / Dualtone Records, 15. Mai

Folk, Blues und Indie-Rock in Lo-Fi- und DIY-Ästhetik, hier und da augmentiert durch Streicher oder ein eingestreutes Gitarrensolo: »Fondness, Etc.«bewegt sich zwischen Hüttenaufnahme und durchkomponierter Songidee, ohne sich für eine Seite zu entscheiden. Neun Songs, die brüchig klingen dürfen, ohne sich darin allzu sehr zu gefallen. Trotz schwerer Themen verzichtet Shakey Graves auf überbordende Gesten und liefert stattdessen eine hörenswerte Momentaufnahme aus einer Übergangsphase.

Markus Brandstetter


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