28.08. | Album der Woche: María Dueñas • Homage to Heifetz
Deutsche Grammophon
Foto: Christoph Köstlin
Eine große Reise
María Dueñas gilt als eine der vielversprechendsten Musikerinnen ihrer Generation. Kein Wunder: Die Spanierin spielt nicht nur Geige, sie komponiert auch.
Der Tag, an dem Spanien die Fußballweltmeisterschaft in den USA gewonnen hat, wird die Geigerin María Dueñas wohl nie vergessen. Sie weilte zu dem Zeitpunkt in Chicago, kurz vor ihrem Auftritt beim Ravinia Festival erreichte sie die gute Nachricht. »Als ich er fahren habe, dass wir gewonnen haben«, erinnert sie sich, »spürte ich auf der Bühne eine ganz besondere Energie.« Sie sei sehr stolz gewesen, das habe sie anders musizieren lassen.
Wobei es eigentlich immer eine Freude ist, der 23-Jährigen zuzuhören. Vor allem, wenn sie Lalos »Symphonie espagnole« interpretiert. Mit diesem Werk ist sie seit ihrem elften Lebensjahr vertraut, es hat sie quasi beim Erwachsenwerden begleitet und zählt definitiv zu den Lieblingsstücken der in Granada geborenen Musikerin. Wenn sie von all den Rhythmen und Tanzelementen erzählt, die diese Komposition genauso wie Volkslieder geprägt haben, gerät sie so richtig ins Schwärmen. So gesehen lag es für María Dueñas eigentlich auf der Hand, »Symphonie espagnole« aufzunehmen. Nicht ohne Grund hat sie ihm auf ihrem neuen Album »Homage to Heifetz« Korngolds Violinkonzert zur Seite gestellt. Sie würdigt auf diese Weise den legendären Geiger Jascha Heifetz, der diese beiden Stücke ebenfalls zusammen eingespielt hat.
Er ist María Dueñas’ Vorbild, mit seinen Aufnahmen ist sie aufgewachsen: »Heifetz hat einen sehr persönlichen Klang.« Den wünscht sie sich auch für sich selbst: »Natürlich ist es eine ganz große Reise dorthin. Doch das, was einen Künstler ausmacht, ist eben diese eigene Stimme.« Allem Streben nach Individualität zum Trotz wollte die Wahlwienerin, die einige Jahre in Dresden studiert hat, auf ihrer jüngsten Einspielung aber eben auch Heifetz noch ein bisschen näherkommen. Deshalb nahm sie im Studio seine Stradivari von 1731 zur Hand, als die Stücke »Estrellita«, »La chevelure« und »La plus que lente« an der Reihe waren: »Das war ziemlich spannend, weil die se Geige etwas Eigenartiges hatte. Ich musste gar nicht viel dafür tun, damit sie gut klingt.«
Für María Dueñas war das ein Gänsehautmoment: »Ich habe einfach losgespielt, um diese Magie von Heifetz irgendwie zu erhalten.« Stradivaris sind ihr keineswegs fremd, ihr eigenes Instrument stammt ebenso von dem berühmten italienischen Geigenbauer. Und doch unterscheidet es sich von Heifetz’ Violine: »Im Gegensatz zu meiner Geige hat seine einen eher dunklen Klang. Ich fand es spannend, herauszufinden, wie ich auch die hellen Seiten zeigen kann.«

MARÍA DUEÑAS
Homage To Heifetz
Deutsche Grammophon, 28. August
Für ihre Aufnahme in den
Londoner Abbey Road Studios
holte María Dueñas das Símon
Bolívar Symphony Orchestra
of Venezuela unter Gustavo
Dudamel ins Boot. Eine kluge
Wahl, besonders im Hinblick
auf die »Symphonie espagnole«.
Wenn die spanische Seele der
Solistin auf das lateinamerikanische Feuer ihrer Mitstreiter trifft
und alle ihre Energie bündeln,
entspinnen sich daraus neben
feurigen Rhythmen auch wunderschöne Klangfarben. In Korngolds Violinkonzert blüht María
Dueñas’ technische Brillanz auf.
Dagmar Leischow