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28.03. | Kinostart der Woche

Beach Bum

28.03. | Kinostart der Woche - Beach Bum

Beach BumBEACH BUM

Constantin • 29. März

Miamis Peace & Love

Matthew McConaughey als Moondog ist als The Dude 2. 0 in Harmony Korines flamingopinker Strandkomödie » Beach Bum « auf der Suche nach dem großen Kick.

Dass ihn niemand Dude nennt, obwohl es jedem auf den Lippen liegt, ist eher ein Running Gag als ein Versehen. Denn Moondog, der Held in Harmony Korines » Beach Bum «, ist eindeutig eine Reminiszenz an das große Vorbild, das inzwischen auch schon 20 Jahre auf dem Buckel hat. Moondog ist sein Update. Er ist The Dude 2. 0; der helle floridianische Tag zu Big Lebowskis kalifornischer Nacht. Beide haben eine Mission. Beim Dude hieß sie Gerechtigkeit. Für Moondog ist es der ganz große Kick, der in ihm alles zum Schwingen bringt, kosmische Klänge formt, ihn tanzen lässt, bis die Worte aus ihm heraussprudeln, über die Finger in die Schreibmaschine, direkt aufs Papier, wo sie in ihrer Gesamtheit den ganz großen Roman ergeben. So war das zumindest früher bei Moondog (Matthew McConaughey). Damit es wieder passiert, hat seine frisch verblichene, millionenschwere Gattin (Isla Fisher) eine Klausel in ihr Testament eingebaut: Moondog erbt erst, wenn das neue Werk vollbracht ist. Regisseur Harmony Korine ist bekannt dafür, aus seinen Protagonisten die dunkelste Seite ihres Daseins hervorzuholen, während sie Pink tragen. Der kindliche Killer in » Gummo « trug rosa Hasenohren, die mit Hausmüll kopulierenden » Trash Humper « fleischfarbene Gummimasken und die räuberischen » Spring Breakers «-Grrrrls pinke Sturmhauben. Matthew McConaughey im flamingofarbenen Negligé lässt also die Erwartungen, ja sogar den Blutdruck nach oben schnellen. Wenn das zum poetischen Vorspiel gehört, das er uns als Moondog angekündigt hat, was wird dann noch kommen? In » Beach Bum « hat Korine sich und seinen Helden gar dem Gonzo-Journalismus von Hunter S. Thompson verschrieben: gnadenlos subjektiv, gnadenlos halsbrecherisch, gnadenlos selbstausbeuterisch, gerade, was Drogen und Frauen betrifft. Das eine als XXL-Tüte, das andere ab Körbchengröße C aufwärts. Führte diese Mischung 1971 noch zu » Fear and Loathing in Las Vegas « (und 1998 zu dem gleichnamigen Film von Terry Gilliam mit Johnny Depp und Benicio Del Toro) heißt es jetzt Peace and Loving in Miami. Der Trick dabei ist, nie auf dem Boden der Realität zu landen. Dabei helfen Snoop Dog, Jonah Hill, Zac Efron und nach acht Jahren Leinwand- Abstinenz auch Martin Lawrence. Ein fast blinder Pilot, ein koksender Papagei, wogende Dekolletés und wackelnde Hintern. Nicht eine dunkle Wolke am pinken Himmel. Und nichts, was den wahren Dude ernsthaft ersetzen könnte. Edda Bauer

FAZIT : Mit Hunter S. Thompson im Hinterkopf wollte Regisseur und Autor Harmony Korine einen Big Lebowski für das dritte Jahrtausend erschaffen. Beseelt von Drogen, Weib und Musik lässt er Matthew McConaughey alias Moondog mit wehender Zottelmähne von einem Abenteuer ins nächste tapern. An den einzig wahren Dude kommt er dabei jedoch nicht komplett heran.