27.8. | Kinostart der Woche: Staatsschutz

27.8. | Kinostart der Woche - Staatsschutz
Foto: Lotta Kilian / Jünglinge Film

Vor allzu klarer politischer Haltung schreckt das deutsche Kino meistens zurück. Regisseur Faraz Shariat beweist mit »Staatsschutz«, dass es auch anders geht.

Sechs Jahre ist es her, dass Faraz Shariat sich mit seinem Regiedebüt »Futur Drei« auf Anhieb als einer der aufregendsten jungen Filmemacher Deutschlands empfahl. Anschließend inszenierte er, ausgezeichnet mit dem New Faces Award und dem Teddy der Berlinale, unter anderem eine Folge der Reihe »Zeit Verbrechen« sowie mehrere Episoden der britischen Horror-Comedy-Serie »The Baby«. Als Produzent trug er außerdem dazu bei, die wegweisende Serie »Schwarze Früchte« auf den Weg zu bringen.

Nun endlich kommt sein zweiter Film in die Kinos – und der gebürtige Kölner beweist nachdrücklich, dass alle frühen Lorbeeren mehr als berechtigt waren. Die Suche nach dem richtigen Stoff für den notorisch schwierigen Nachfolger seines gefeierten Erstlings fiel auch deshalb schwer, weil Shariat, der seine Identität als queerer, politisch denkender Mensch nicht losgelöst von seiner kreativen Tätigkeit sehen mag, eine gewisse Ohnmacht angesichts des sich zusehends verschärfenden gesellschaftlichen Klimas empfand. Doch dann lernte er die Drehbuch autorin Claudia Schaefer kennen, die mit »Staatsschutz« (unter Mithilfe von Sun-Ju Choi und Jee-Un Kim) einen Stoff entwickelt hatte, der alles beinhaltete, was Shariat umtrieb. Das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit ist nun gleichsam fest verwurzelt in der deutschen Gegenwarts-Realität und doch ein packender Thriller.

Im Mittelpunkt steht die junge, koreanisch-stämmige Staatsanwältin Seyo Kim, die in Brandenburg selbst Opfer
eines Brandanschlags wird. Schon bald muss sie erkennen, dass es mit der Unabhängigkeit der Justiz nicht weit her ist, wenn Rassismus und Diskriminierung längst im System verwurzelt sind. Die Geschichte ist zwar fiktiv – und wirkt doch angesichts der NSU-Untersuchungsausschüsse und des Staatsversagens nach den Anschlägen von Hanau und Halle kein bisschen unwahrscheinlich.

Für Shariat, der »Staatsschutz« wieder mit seiner eigenen, sich als Kreativ-Kollektiv verstehenden Firma Jünglinge Film produziert hat (und anders als beim Debüt erfreulich viel Förderung bekam), geht es im Kern des Films darum, ob Widerstand auch aus dem System heraus möglich ist. Aber eben auch um die kritische Frage, ob Objektivität und Neutralität gegenüber Extremisten und Menschenfeinden nicht doch eher einer Parteinahme gleichkommt. Auf die vorwurfsvolle Frage, ob sich dabei dann nicht aber ein kreativer Erzählansatz mit einem aktivistischen vermischt, dürfte der Regisseur vorbereitet sei. Und sie sicherlich aus vollstem Herzen bejahen.


Staatschutz Film Poster

STAATSCHUTZ
27. August • 1 Std. 53 Min.

Die fiktive, aber kein bisschen aus der Welt gegriffene Geschichte der Staatsanwältin Seyo Kim, die gegen den Widerstand ihrer Vorgesetzten in eigener Sache vor Gericht zieht, erzählt Faraz Shariat mit spürbarer Wut, doch nicht ohne Hoffnung, was die Frage angeht, ob man gegen ein korrumpiertes System auch von innen heraus kämpfen kann. Subtilität sollte man in diesem Film nicht erwarten, dafür aber mit Hauptdarstellerin Chen Emilie Yan einen echten neuen Stern am deutschen Schauspielhimmel sowie insgesamt ein starkes Ensemble (u.a. Julia Jentsch, Sebastian Urzendowsky, Alev Irmak) und ebensolche Bilder.

Patrick Heidmann


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