27.08. | Buch der Woche: Percival Everett • Dr. No

Hanser

27.08. | Buch der Woche - Percival Everett • Dr. No

Percival Everett
Dr. No
übersetzt von Nikolaus Stingl
Hanser • 320 Seiten • 26,00 €

Wala Kitu. Diesen Namen gibt sich der Protagonist in »Dr. No«. Wala ist Tagalog für nichts; Kitu bedeutet dasselbe auf Swahili. Und genau darum geht es in Percival Everetts Roman: um nichts. Was ist eigentlich nichts? Leere? Die Abwesenheit von etwas? Die Negation aller Dinge? Genau mit solchen Gedankengängen befasst sich Kitu, der sich als Mathematikprofessor auf nichts spezialisiert hat. »Ich habe gerade eine Förderung bekommen, von der ich hoffe, dass sie zu nichts führt.« Solche Sätze verdeutlichen, wie viel Spaß sich Everett mit dem strukturellen Paradoxon dieser Materie erlaubt. Auf dieser Grundlage entfaltet sich ein brüllend-komischer Spionageroman, der in Sachen Satire und Unterhaltsamkeit das literarische Pendant zu »Kingsman: The Secret Service« ist. Denn eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass die Bösewichte PoC sind und planen, einen Großteil der Weltbevölkerung zu vernichten. Der Milliardär John Sill (Berufswunsch: Bond-Schurke) möchte Kitu als Berater für seinen diabolischen Plan gewinnen, durch die Kontrolle des Nichts die Weltherrschaft an sich zu reißen. Nachdem der die Vision des Milliardärs durchschaut, setzt er alles daran, den irren Megalomanen zu stoppen. Trotz aller Absurditäten, die sich unter anderem daraus ergeben, dass Kitu am Asperger-Syndrom leidet und dementsprechend eigen in seiner Art zu kommunizieren ist, liegt »Dr. No« fundamentale Gesellschaftskritik zu Grunde. Diese einzigartige Kombination macht Everetts Roman zu einem besonderen Lesevergnügen.

Katharina Raskob


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