26.8. | Buch der Woche: Hubertus Meyer-Burckhardt • Das Buch meines Lebens haben Klügere geschrieben
Heyne • 224 Seiten • Hardcover • 20,00 Euro
Manche Bücher wollen verschlungen werden, andere begleiten einen eher unscheinbar. Hubertus Meyer-Burckhardts »Das Buch meines Lebens haben Klügere geschrieben« gehört eindeutig zur zweiten Sorte. 90 Zitate versammelt der Gastgeber der »NDR Talk Show« in seinem neuen Buch. Darin: Gedanken, die ihn über viele Jahre begleitet, ihm in bestimmten Momenten Halt oder Inspiration gegeben haben und die er nun mit Geschichten aus seinem Leben verbindet.
Ausgangspunkt ist ein kleines, schwarzes Notizbuch mit roten Ecken, das Meyer-Burckhardt schon als junger Mann zu führen begann. Über die Jahre sind darin Sätze zusammengekommen, die ihm wichtig erschienen: von Goethe, Mark Twain und Epikur, immer wieder Thomas Mann, aber auch von Zeitgenossen wie der italienischen Journalistin Oriana Fallaci. Hier und da sind Seiten dieses treuen Begleiters im Original abgebildet. Die Zitate bleiben dabei stets für sich stehen, auch wenn Meyer-Burckhardt erzählt, was sie in seinem eigenen Leben ausgelöst haben.
Unter Überschriften wie »Flügelspreizen« oder »Abschiede« ordnet er die Fundstücke thematisch und erzählt von den Momenten, in denen sie ihm begegnet sind. Oft sind es kleine Anekdoten und Erinnerungen, die seine Verbindung zu den jeweiligen Sätzen greifbar machen. Der Rahmen für das Buch entstand aus einer spontanen Idee für ein ZEIT-Interview mit Giovanni di Lorenzo und Stephan Schäfer und schließlich während einer Schiffsreise von Hamburg bis in den Indischen Ozean, die Meyer-Burckhardt mit seiner Frau Dorothee unternahm. Kurze Szenen dieser Reise tauchen immer wieder zwischen den Kapiteln auf und geben der Sammlung einen lockeren zeitlichen Rahmen.
Im Mittelpunkt stehen jedoch die Zitate selbst. Viele dürfen zunächst für sich wirken, bevor Meyer-Burckhardt seine persönliche Geschichte dazu erzählt. Gerade darin liegt eine der Stärken des Buches: Er möchte die Gedanken, die ihn geprägt haben, weitergeben, ohne ihnen ihre Offenheit zu nehmen. Seine Kommentare legen keine endgültige Bedeutung fest, sondern zeigen, was ein Satz im Leben eines Menschen auslösen kann. So entsteht ein schönes Gleichgewicht zwischen Nähe und der Freiheit, die Gedanken selbst weiterzuspinnen.
Nach seinem vorherigen Buch »Die Sonne scheint immer. Für die Wolken kann ich nichts.«, in dem Meyer-Burckhardt seine Großmutter und deren Lebensweisheiten in den Mittelpunkt stellte, wählt er diesmal einen anderen, nicht weniger persönlichen Zugang. Seine eigene Biografie bleibt präsent, drängt sich aber nie in den Vordergrund. Eher entsteht der Eindruck, dass er eine Sammlung von Gedanken weiterreichen möchte, die ihm selbst etwas gegeben haben.
»Das Buch meines Lebens haben Klügere geschrieben« ist deshalb im besten Sinne ein Buch zum Weglegen. Man muss es nicht in einem Zug lesen, sondern kann darin blättern, an einer Stelle hängen bleiben, einen Gedanken mitnehmen und später zurückkehren. Wie ein gut geführtes Notizbuch lädt es zum unchronologischen Stöbern ein. Ein stilles Buch über die Gedanken anderer – und darüber, wie sie zu einem Teil des eigenen Lebens werden können.
Foto: Sebastian Fuchs
Hubertus Meyer-Burckhardt
Das Buch meines Lebens haben Klügere geschrieben
Heyne, 26. August • 224 Seiten • Hardcover • 20,00 Euro
Tim Wetzer