26.07. | Album der Woche : Villagers • That Golden Time
Domino / Goodtogo · 10. Mai
Foto: Andrew Whitton
Der Gegenspieler
Der irische Songwriter Conor O’Brien spielt im 16. Jahr der Villagers erneut ganz für sich, lädt aber klassische Instrumente und komplexen Gedanken.
Conor O’Brien, Ihr neues Album beginnt mit dem Song »Truly Alone«. Fühlen Sie sich einsam?
(lacht) Ich fühle mich nicht wirklich einsam. Ich fühle mich allein, was nicht dasselbe ist. Das finde ich ganz okay.
Inwiefern?
Es findet zunehmend eine Simplifizierung hochkomplexer Probleme statt. Die Idee, dass man sich mit einer Sache tiefgreifend auseinandersetzt und eine entsprechende Ausbildung durchläuft, bevor man etwas veröffentlicht, nimmt weiter ab. Da kann es sehr schön sein, sich von Unqualifiziertem loszumachen und Abstand zu bekommen, das Internet stumm zu stellen, das immer suggeriert, wir bräuchten irgendeine Form von externer Hilfe – und sich
stattdessen mit sich selbst auseinanderzusetzen.
Im Titelsong »That Golden Time« geht es um Romantik und Realismus – wie man ehrgeizige Vorstellungen von sich und der Welt haben kann und zugleich mit der harten Realität konfrontiert wird. Wie können Sie das?
Nun, ich schreibe Musik. Der Prozess des Kreierens hat etwas Magisches. Etwas zu erschaffen, das zuvor nicht existierte, ist mir heilig. Es ist eine Art Gegenspieler zum reaktionären Denken, das die moderne Welt ergriffen hat. Alle reagieren ständig aufeinander, darauf, was wer gesagt oder getan hat. Man beäugt sich, reagiert darauf und dann beäugt man die Reaktionen. Das begünstigt reaktionäres Denken, extremistisches Denken.
Es ist Ihr sechstes Album. Wie oft in Ihrer Karriere prallten ehrgeizige Ideen auf eine harte Realität?
Eigentlich passiert das immerzu. Wenn man über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren an etwas besessen arbeitet, so wie ich an meinen Alben, dann gibt es immer wieder Momente, da bin ich gegen alles. Es fühlt sich so an, als wäre nicht genug Zeit, nicht genug Raum da. Ständig kommt dir das Leben dazwischen. Es erfordert große Disziplin, die ich nicht immer habe. Oft genug geht mir ein halbfertiger Song nach einer Weile gegen den Strich. Ich lasse ihn Monate lang liegen, und muss dann einiges aufopfern, um die Dinge doch zu Ende zu bringen. Das fällt mir nicht leicht.
Fällt das Anfangen leichter?
Ja, weil es fluide ist. Meistens beginnt es mit Stimmaufzeichnungen auf meinem Smartphone. Die haben in aller Regel keinen konkreten Anfang. Die sammeln sich über Jahre an, bruchstückhaft und zusammenhanglos. Für dieses Album stammen erstaunlich viele Aufzeichnungen von Reisen.

Villagers
That Golden Time
Domino / Goodtogo • 10. Mai
Auf dem sechsten Album des Dubliner Song-Dramaturgen liegt der Titelsong erstaunlich nahe an Pink Floyd. Dem glühenden Fan Conor O’Brien ist das bewusst, für den Rest des Albums aber noch keine Visitenkarte. Wie schon so häufig, hat er alles selbst aufgenommen, mit Ausnahme der klassischen Instrumente, die auf »That Golden Time« neben Drumcomputern, Piano und Chören elegant den Singer/Songwriter-Gestus untermalen und den Themen die nötige Tiefenschärfe mitgeben. O’Brien findet, es sei das intimste Villagers-Album geworden.
Daniel Thomas