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26.04. | Album der Woche

The Cranberries • In the End

26.04. | Album der Woche - The Cranberries • In the End

The Cranberries In the EndTHE CRANBERRIES

In the End

BMG • 26. April

The Cranberries-Sängerin Dolores O’Riordan verstarb 2018 unerwartet. Wir sprachen mit ihren Bandkollegen über das letzte Album, das bald erscheint.

Am 15. Januar 2018 verstarb Dolores O’Riordan in London. Wie man später erfuhr, war sie in der Badewanne ertrunken. Wie haben Sie von ihrem Tod erfahren?

Noel Hogan: Dolores' Bruder rief mich an. Er sagte nur » Dolores is gone «, und ich wusste gar nicht, was er meint. Bei Dolores hätte das alles bedeuten können. Als ich verstand, was passiert war, fühlte es sich unwirklich an. Am Freitag hatte ich noch mehrmals mit ihr gesprochen, am Sonntag hatte sie uns gemailt – und am Montag war sie tot. Es ergab keinen Sinn. Und es war frustrierend, im Internet all die Spekulationen von Menschen zu lesen, die sie nie getroffen hatten.

Es war bekannt, dass Dolores an Depressionen und einer bipolaren Störung litt, doch als sie starb, soll es ihr sehr gut gegangen sein.

Hogan: Ja, zwei Tage vor ihrem Tod kaufte sie sich noch Möbel für ihr neues Haus, das sie gerade baute. Unsere Unterhaltungen drehten sich alle darum, in der Zukunft zusammenzuarbeiten. Es ging ihr gut und sie freute sich auf die Zukunft. Fergal Lawler: Einigen Songs auf unserem neuen Album hört man das an, sie klingen sehr fröhlich und optimistisch. Die Leute werden überrascht sein.

Warum haben Sie entschieden, posthum noch ein letztes Cranberries-Album zu veröffentlichen?

Hogan: Wir hatten im Sommer 2017 schon mit der Arbeit daran begonnen. Als sich der Schock über Dolores' Tod etwas gelegt hatte, fingen wir an, das bereits entstandene Material durchzugehen. Wir stellten fest, wie stark die Songs in unseren Augen waren und die Frage war: Stellen wir sie ins Regal und vergessen sie, oder machen wir weiter? Nachdem wir mit der Familie von Dolores und unserem Produzenten Stephen Street gesprochen hatten, beschlossen wir, weiterzumachen. Es fühlte sich einfach richtig an. Wir haben keine alten Aufnahmen ausgegraben, das sind alles neue Songs, die wir aufnehmen wollten.

Hat Ihnen die Arbeit an » In The End « geholfen, den Tod von Dolores zu verarbeiten?

Lawler: Ich denke schon. Es war wirklich schwer, vor allem während der ersten Tage. Es fühlte sich einfach komisch an und wir wussten nicht, wie wir das schaffen sollen. Aber wir wollten die von Dolores begonnene Arbeit zu Ende bringen. Es ist als hätte sie uns ein Geschenk hinterlassen. Hogan: Das Album ist ein Tribut an Dolores und ein Abschiedsgruß an unsere Fans. Es gibt uns allen die Möglichkeit, damit abzuschließen. Denn das war es jetzt mit The Cranberries.

Interview: Nadine Wenzlick

FAZIT : Nach dem überraschenden Tod von Dolores O’Riordan setzten die verbliebenen Cranberries- Mitglieder bereits entstandene Demos wie ein Puzzle zusammen. Es entstand ein Album, das an die frühen Aufnahmen der Band erinnert. Ob in eingängigen Upbeat-Songs wie » Got It « und » All Over Now « oder der nachdenklichen Ballade » In The End « – O’Riordans Stimme klingt auf den elf Tracks so kraftvoll wie anmutig. Ein bewegender Abschied.