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25.09. | DVD der Woche

The Looming Tower

25.09. | DVD der Woche - The Looming Tower

Loomingtower

The Looming Tower

Warner • 27. September

Vor den Anschlägen

In „The Looming Tower“ über die Jahre vor den Anschlägen vom 11. September 2001 spielt Peter Sarsgaard den Leiter der Counterterrorism-Abteilung der CIA. Wir trafen ihn zum Interview.

Mr. Sarsgaard, war „The Looming Tower“ ein Serienangebot, von dem Sie auf Anhieb überzeugt waren?

Im Gegenteil, ich habe wirklich lange gebraucht um die Rolle anzunehmen, insgesamt fast fünf Monate. Der Drehbuchautor Dan Futterman ist fantastisch, und die Buchvorlage ebenso. Aber ich wollte erst einmal abwarten, wer meinen Gegenpart spielt. Denn derjenige war natürlich für mich die wichtigste Bezugsperson in dieser Geschichte. Nicht zuletzt, weil meine Figur nicht unbedingt jemand ist, mit dem ich inhaltlich übereinstimme.

Macht es das schwieriger, eine Rolle zu spielen?

Nein, ich mag das eigentlich, wenn mir eine Figur ein gewisses Unbehagen bereitet. Man muss dann einfach nach und nach eine andere Perspektive einnehmen. Als Schauspieler ist es ja nicht meine Aufgabe, den Blickwinkel des Drehbuchs oder des Regisseurs zu haben, sondern den der Figur. Ich muss mich ihr subjektiv nähern und lediglich verstehen, warum sie sich auf eine gewisse Weise verhält oder fühlt, selbst wenn ich es nicht gutheiße.

Welche Relevanz hat es Ihrer Meinung nach heute, sich mit dem 11. September 2001 zu beschäftigen?

Wenn man die Frage Lawrence Wright stellt, dem Autor des Sachbuchs (dt. Titel: „Der Tod wird Euch finden“), dann antwortet er: „divided we fail“. Die Rivalität zwischen CIA und FBI in den Jahren vor den Anschlägen hatte ohne Frage Folgen, und daraus sollten wir Konsequenzen ziehen. Außerdem sollten wir als wählende Bevölkerung hinterfragen, wovon wir uns ablenken lassen. Damals waren wir als Nation noch mit der Lewinsky-Affäre und ähnlichem beschäftigt, als es längst um anderes hätte gehen sollen. Wenn mir angucke, was im Moment in Sachen Ablenkung so los ist, sollte uns auch das zu denken geben.

Darf ich fragen, wie Sie selbst die Anschläge auf das World Trade Center damals erlebt haben?

Ich war damals auf der Canal Street, am West Broadway, und habe also alles aus unmittelbarer Nähe miterlebt. In meinem Leben stellt dieser Tag und die Wochen danach einen echten Wendepunkt dar. Das hat mich so umgehauen, dass ich wirklich beschloss, mein Leben anders und besser zu führen. Auch weil ich miterlebte, wie der Terror die Menschen in New York zusammenschweißte, wie jeder helfen und etwas tun wollte. Eine Tragödie ist eben immer auch ein Moment der Geschlossenheit. Und nur wenig später, am 28. September, lernte ich meine Frau kennen.

Interview: Patrick Heidmann

Fazit Statt mit Action wartet die 10-teilige Miniserie mit grandiosen Schauspielern (neben Sarsgaard u.a. Jeff Daniels und Tahar Rahim) und einer durchdachten Drehbuchadaption der Sachbuchvorlage auf und überzeugt so als kritisches Drama über die Fehler amerikanischer Behörden in der Terrorbekämpfung in den späten 90er Jahren.