24.7. | Album der Woche: Lambert • I Am Not Lambert
Clouds Hill
Foto: Andreas Hornoff
Eigentlich gilt der Pianist Lambert als Vertreter der Neoklassik. Doch in seine neuen Songs lässt der Berliner auch Gesang und jazzige Elemente einfließen.
Lambert, warum heißt Ihr neues Album »I Am Not Lambert«?
Der Charakter Lambert, den ich vor zwölf, 13 Jahren erfunden habe, hat mir immer geholfen, zu mir selbst zu finden. Mittlerweile steht er mir dabei allerdings manchmal im Weg. Die Frage, ob er ein Eigenleben entwickelt hat, hat mich in den letzten Jahren beschäftigt. Auch im Zuge dieses Albums gehe ich ihr nach.
Haben Sie mit Lambert, der mit einer sardischen Stiermaske auftritt, ganz bewusst eine Kunstfigur erschaffen?
Ich hatte auf jeden Fall den Wunsch, auf der Bühne jemand anders sein zu dürfen. Ich glaube, jeder macht sich irgendwann Gedanken darüber, welche Persona er seinem Publikum zeigen möchte. Mag sein, dass Social Media Authentizität verheißt. Ich kann aber weder in den sozialen Medien noch auf der Bühne viel Authentisches entdecken.
Wie sehr nervt es Sie, wenn bei Ihren Konzerten dauernd irgendwer mit einem Smartphone filmt?
Als ich im vergangenen Jahr im Silent Green in Berlin gespielt habe, kam hinterher ein Zuschauer auf mich zu. Ihm war während meines Auftritts aufgefallen, wie lange die Leute einer Kulturveranstaltung beiwohnen konnten, ohne auf ihr Handy zu gucken. Das war für mich ein großes Kompliment. Denn ich finde: Musik ist eigentlich dazu da, den Moment zu zelebrieren.
Zurück zu Ihrem Album: Auf dem Cover tragen Sie zwar Ihre Stiermaske, doch man sieht Ihr Gesicht durchschimmern. Ist das ein Hinweis darauf, dass Sie sich bald endgültig von der Maskierung trennen werden?
Ehrlich gesagt nehme ich bei meinen Konzerten aus rein praktischen Gründen meine Maske schon seit einer Weile irgendwann ab. Da wir viel improvisieren, fühle ich mich bei bestimmten Stücken einfach freier ohne sie. Auf der anderen Seite nutze ich meine Maske sehr gerne, um auf die Bühne zu kommen und klarzustellen: Jetzt beginnt eine Show. Wenn ich mich zunächst hinter meiner Maske verstecken kann, hilft mir das außerdem, meine Bühnenangst zu bewältigen.
Stichwort Improvisation: Sie haben Jazz studiert, das spiegeln einige neue Songs wider. Wie wichtig ist es Ihnen, dieses Genre in Lambert-Titel einfließen zu lassen?
Zu Beginn meiner Lambert-Karriere habe ich mich dagegen gewehrt, obwohl ich schon relativ früh angefangen habe, auf der Bühne zu improvisieren. Inzwischen ist die Live-Umsetzung meiner Stücke immer eine Art Jazzadaption.

LAMBERT
I Am Not Lambert
Clouds Hill, 8. Mai
Mit Gästen wie Kat Frankie entfaltet Lambert größere Synergie und traut sich, Gesang in seine Songs einfließen zu lassen. Kenny Warren setzt mit seiner Trompete in »You don’t like me« jazzige Akzente. Bei »Gingerly« lädt das Klavier zum Wegträumen ein. Rob Goodwins verwitterter Sprechgesang beschwört in »Nothing hurts like you« Melancholie plus Dunkelheit herauf, während das Cello in »Parthenope« das Piano umschmeichelt, dessen Melodie von einem Paolo-Sorrentino-Film inspiriert ist. Für jeden etwas.
Dagmar Leischow