24.4. | Album der Woche: Courtney Barnett • Creature Of Habit

Fiction Records

24.4. | Album der Woche - Courtney Barnett • Creature Of Habit
Foto: Lindsey Byrnes

Alles im Umbruch

Die australische Slackerin Courtney Barnett fängt noch mal von vorne an, nachdem sie ihr Label Milk! Records aufgegeben hat und in die USA umgesiedelt ist.

Sie beschreiben Ihr neues Album als Suche nach Orientierung. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie sich womöglich selbst im Weg stehen?

Diese Suche nach Orientierung war lange eine Konstante. Ich musste mich mit dem Album erst wieder daran erinnern, wie das überhaupt funktioniert mit dem Song-Schreiben. Ziemlich genau nach dem wir die Hälfte des Albums in Joshua Tree aufgenommen hatten, bin ich gegen eine Wand gelaufen. Vor allem bei den Texten. Es fiel mir schwer, sie zu Ende zu bringen. Ich bin pausenlos über meine eigenen Gedanken gestolpert. Das hat viel Energie gekostet.

Die Schließung Ihres Labels und der Umzug nach Los Angeles markieren das Ende zweier prägender Kapitel. Waren diese Entscheidungen befreiend oder destabilisierend?

Es war zunächst eine emotional verwirrende Zeit. Ich wusste nicht, ob ich überhaupt in der Lage wäre, richtige Entscheidungen zu treffen, vor allem mein Label Milk! betreffend. Ich war gleichzeitig stolz und dankbar für die Geschichte des Labels und wollte es dennoch schließen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich diesen Schritt nicht mehr nur als Scheitern wahrgenommen habe, nachdem ich zu lange meine Energie zweigeteilt hatte, zwischen Alles im Umbruch Label und meiner eigenen Musik. Am Ende habe ich beides nur noch halbherzig hinbekommen. Es fühlt sich deshalb befreiend an, sich wieder auf eine Sache konzentrieren zu dürfen. Mit dem Umzug nach Los Angeles verhält es sich ähnlich. Da gab es diese angsteinflößende Komponente und gleichzeitig war es ungeheuer spannend.

Was war der angsteinflößende, was der spannende Teil?

So eine weitreichende Entscheidung zu treffen, jagt mir eine Menge Angst ein. Es bedeutet, Freunde, Familie und Nachbarschaft zurückzulassen. Dann gibt es diese Angst vor dem Ungewissen, die wiederum mit der gleichen Portion von positiver Aufregung konkurriert, wenn sich alles so anfühlt, als könnte man tatsächlich neu beginnen.

Was würden Sie vor diesem Hintergrund der früheren Courtney Barnett heute sagen?

Lass los, mach weiter, ohne Stress! Es gab schon immer diese Momente in meiner Karriere, an denen ich an mir gezweifelt habe und dachte, ich sei eine schlechte Songwriterin, die die Dinge nie zu Ende bringt. Ich würde meinem früheren Ich gerne raten, darauf zu vertrauen, dass dieses Gefühl vorübergehend ist. Das hat die Erfahrung immer wieder gezeigt.


Courtney Barnett Creature Of Habit

COURTNEY BARNETT
Creature Of Habit
Fiction Records • 27. März

Mit »Creature Of Habit« schlägt Courtney Barnett ein neues Kapitel auf. Die kleinen Alltagsbeobachtungen früherer Platten sind heute existenziellerer Natur. Wenn sie etwa die persönlichen Umbrüche ihres Lebenslaufs und die Selbstzweifel mit Songs wie »Sugar Plum« in handlich kompakten Optimismus ummünzt. Musikalisch wagt sie indes keinen radikalen Stilbruch und bleibt ihrem lakonischen Indie-Rock weitgehend treu. Für das Grundrauschen des Albums gilt die Zeile aus »Mostly Patient« : »What’s inside that cloudy little head, come on won’t you stretch it out.«

Daniel Thomas


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