24.12. | Hörbuch der Woche: Stephan Schäfer • Jetzt gerade ist alles gut
Hörbuch Hamburg
Stephan Schäfer
Jetzt gerade ist alles gut
Hörbuch Hamburg • 2 Stunden 46 Minuten
Stephan Schäfer liefert mit »Jetzt gerade ist alles gut« eine ermutigende Anleitung zum positiven Denken trotz widriger Umstände – und hat mit Götz Otto genau den richtigen Sprecher für das Hörbuch gefunden
Götz Otto, ist jetzt gerade alles gut?
Ich finde, dass die Phrase »alles gut« sehr inflationär eingesetzt wird. Meine Kinder haben das früher oft geantwortet, wenn ihnen etwas egal war. Ich habe dann nachgefragt: »Ist wirklich alles gut? Fällt dir nicht irgendwas ein, was nicht so gut ist? Mir schon.« Das Leben ist komplizierter, komplexer und die deutsche Sprache bietet differenziertere Ausdrucksmöglichkeiten als diese Phrase. Meine Antwort auf Ihre Frage lautet: Nein, ich finde nicht, dass gerade alles gut ist. Es hilft schon mal, die Dinge, die nicht gut sind, zu benennen und nachzuforschen, warum das so ist. Gleichzeitig sollten wir auch die Dinge benennen, die gut sind. Aber »alles« ist das sicher nicht.
Was ist die aus Ihrer Sicht wichtigste
Botschaft des Buchs?
Stephan Schäfer gelingt eine sehr konkrete und anschauliche Umsetzung von Churchills Ausspruch: »Never let a good crisis go to waste.« Was Churchill da so vermeintlich locker über die Lippen gekommen sein mag, wird bei Schäfer zu einer persönlichen Lebenskrise, die er – mit viel positiver Energie – zu einem guten Ende führt. Dabei wirkt das Buch wie eine sehr persönliche Handlungsanleitung zum positiven Denken.
Wie klingt der für diese Geschichte
richtige Ton? Und wie haben Sie ihn
gefunden?
Für mich als Sprecher war das eine wunderbare Arbeit, denn trotz wirklich schrecklicher persönlicher Erlebnisse gelingt es dem Autor, stets seine positive Grundeinstellung zum Leben durchklingen zu lassen. Das gilt es natürlich auch in der Stimme und damit der »Stimmung« abzubilden. Ich war während der Aufnahmen echt gut drauf. Allerdings kann man nicht einfach seinen Gute-Laune-Knopf drücken, um dann im Studio lustiges Katastrophenkaraoke zu feiern. Mir helfen dabei Routinen. Ich aktiviere meinen Körper und meinen Sprech-Apparat, bevor ich ins Studio gehe. Mache verschiedene Atemübungen und eine kleine Achtsamkeitsübung. Das klingt jetzt vielleicht merkwürdig, aber bevor ich anfange zu sprechen, lächle ich ganz bewusst ein breites Lächeln und konzentriere mich darauf. Es ist erstaunlich, dass man Gefühle auch von außen, durch Mimik, einleiten kann. Ich habe mal gelesen, dass Josef von Sternberg so mit Marlene Dietrich gearbeitet hat und es daraufhin selbst versucht. In bestimmten Situationen funktioniert das für mich.
Gab es eine Passage, die Sie besonders
berührt hat?
Ich habe tatsächlich eine sehr ähnliche Situation wie im Hörbuch erlebt, denn meine Mutter wäre beinahe an einer Sepsis im Finger gestorben. Sie ist vor ein paar Jahren zu meiner Schwester nach Australien geflogen. Schon als sie in den Flieger einstieg, hatte sie eine Nagelbettentzündung und diese wurde dann vor Ort immer schlimmer. Ich war zu weit weg, hilflos, bin aber über Bilder und Telefonate auf dem Laufenden gehalten worden. Das war eine sehr anstrengende Zeit für uns, meine Mutter, meine Schwester, uns alle. Absoluter Krisenmodus, inklusive Familien drama. Am Ende musste meiner Mutter der Mittelfinger abgenommen werden. Allerdings stellte sich bei ihr damals kein Erkenntnisgewinn ein. Diese Erfahrung blieb für sie vollumfänglich negativ. Es wäre wunderschön, wenn ich ihr »Jetzt gerade ist alles gut« persönlich vorlesen könnte. Geht aber leider nicht mehr.
Hannah Heubel