24.09. | Buch der Woche: T.C. Boyle • No Way Home

Hanser

24.09. | Buch der Woche - T.C. Boyle • No Way Home

Es ist eine Story wie aus einem Film Noir. Ein junger Assistenzarzt namens Terry fährt von L.A. nach Nevada. Seine Mutter ist überraschend gestorben, das Erbe besteht aus einem hübschen Häuschen in touristischer Lage. Auf dem Weg zur Beerdigung pausiert er in einer Bar, in der die 24-jährige Bethany ihre Hüften schwingt. Die Art von Frau, von der man weiß, dass sie nicht gut für einen ist, und die man trotzdem lieb haben, und wichtiger: unbedingt mit ins Bett nehmen muss. Selbst wenn dieses Bett im Haus der toten Mutter steht, das Bethany ja zwischendurch bewohnen könnte, so als Liebesnest. Was soll schon schiefgehen? Mit dem kleinkriminellen, Motorrad fahrenden Ex-Freund läuft doch schließlich ganz bestimmt nichts mehr, oder? T.C. Boyles neuer Roman legt mit ordentlich PS los, es ist die Story einer wilden Leidenschaft, bei der das Verantwortungsbewusstsein gleich als Erstes aus dem Fenster fliegt. Die Gegensätze, die sich hier anziehen, spiegeln nicht nur das Amerika der roten und blauen Staaten, sondern auch das Verhältnis zwischen Stadt und Land, arm und reich, Karrieremensch und Tagedieb. Die Sprache ist flott wie üblich bei Boyle, der Humor auf passiv-aggressive Weise trocken, und die halsbrecherische Beziehung auf eine Art realistisch, die man nicht unbedingt am eigenen Leib erfahren möchte. Apropos realistisch: Wenn man jedes Mal, bei dem in diesem Roman jemand einen Drink zu sich nimmt, selber einen Schnaps trinkt, hat man am Ende der Lektüre garantiert eine Leberzirrhose.

T.C. Boyle
No Way Home
Hanser, 384 Seiten

Markus Hockenbrink


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