Musik

23.04. | Album der Woche

Kaleo • Surface Sounds

Atlantic

23.04. | Album der Woche - Kaleo • Surface Sounds

Reisemitbringsel

Der isländische Cowboy JJ Julius Son hat sein drittes Album als Kaleo unterwegs aufgenommen – inklusive Wasserfällen, Vogelgesang und Soul-Legenden.

Kaleo, wie sind Sie in so vielen verschiedenen Aufnahmestudios gelandet?
Ich war mit meinem letzten Album auf Tour, und es hat mich in den Fingern gejuckt, neue Musik aufzunehmen. Also habe ich meine konzertfreien Tage für Aufnahmen genutzt. Das hat sich als Vorteil herausgestellt, weil jedes Studio einen eigenen Klang, eigene Instrumente und eigene Möglichkeiten mitbringt. So hatte ich etwa in New York die Dap-Kings zu Gast, während ich an anderen Orten Aufnahmen von Wasserfällen oder Vogelgezwitscher eingebastelt habe.

Das klingt nach einer sehr kreativen Zeit, dabei lassen sie auf Surface Sounds durchaus auch den erschöpften Reisenden zu Wort kommen.
Wir waren fünf Jahre lang fast pausenlos unterwegs, das ist nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Deshalb war ich auch umso glücklicher, mich nach der Tour noch mal ganz in Ruhe ins Studio in Nashville verziehen zu können.

Sie sind vor einigen Jahren aus Ihrer Heimat Island zunächst nach Austin in Texas gezogen, warum jetzt doch der Umzug nach Nashville?
Weil es einfach der ideale Ort für Musik ist. Die besten Studiomusiker der Welt sind nur einen Anruf entfernt, und man ist automatisch Teil einer musikalischen Gemeinschaft, die sich gegenseitig aushilft. Das erinnert mich sehr an Zuhause.

Fliegen Sie nach wie vor nach Island, um sich inspirieren zu lassen?
Gelegentlich ja, aber weil alle meine Freunde und meine Familie dort leben, komme ich kaum besser zum Schreiben als in den Staaten. Ich glaube aber auch, dass es beim Schreiben nicht auf einen Ort ankommt. Meine Musik wird oft amerikanisch genannt, weil sie von Blues und Jazz inspiriert ist, aber ich würde sie überall so schreiben.

Ihr letztes Album A/B war streng in eine rockigere und eine ruhigere Seite aufgeteilt. Hatten Sie diesmal ein Konzept im Kopf?
Kein so strenges. Es finden sich immer noch Rock'n'Roll und sanftere Klänge auf dem Album, aber sie fließen eher ineinander. Die meisten meiner Songs fangen auf der Akustikgitarre oder am Klavier an, und dann lasse ich mir selbst Raum, um im Studio damit zu spielen. Manchmal weiß ich schon, dass dort ein 15-köpfiges Streichorchester auf mich warten soll, und manchmal lasse ich die Dinge einfach auf mich zukommen.

Ihr Erfolg erlaubt Ihnen inzwischen, fast jede Idee im Studio auch umzusetzen. Sind Sie da manchmal versucht, über die Stränge zu schlagen?
Es passiert tatsächlich, dass ich eine Menge Spuren aufnehme, weil ich so im Rausch bin. Und dann höre ich mir das Ergebnis an und drehe eine nach der anderen wieder runter, bis es richtig klingt. Weniger ist manchmal mehr.

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Surface Sounds
Atlantic, 23.04.

Wüsste man es nicht besser, dann würde man Surface Sounds für das Lebenswerk eines weitgereisten amerikanischen Cowboys halten: Mit Whiskeystimme singt JJ Julius Son nachdenkliche Texte über sich und die Welt zu lässigem Bluesrock, sehnsüchtig gezupfter Gitarre und sanften Streichern, als würde er seit 50 Jahren nichts Anderes tun. Dabei liegt ihm gekonnte Zurückhaltung genauso wie der groß instrumentierte Moment für Festivalauftritte bei Sonnenuntergang.


Foto: Dan Winters

Britta Helm