22.08. | Album der Woche: Jon Batiste • Big Money
Universal/Verve
Foto: Beth Sacca
Mehr als Unterhaltung
Als Gegenentwurf zur Künstlichen Intelligenz hat Jon Batiste »Big Money« live eingespielt und huldigt so der Tradition seiner Vorfahren.
Jon Batiste, Ihr neues Album heißt »Big Money«. Es gibt ein Sprichwort, das besagt, Geld sei die Wurzel allen Übels. Stimmen Sie zu?
Geld ist eine massive Kraft. Damit geht viel Macht einher. Es ist schwierig, sich davon nicht verführen zu lassen und demütig zu bleiben. Aber nicht, weil Geld die Wurzel allen Übels ist, sondern die Liebe zu Geld. Sie kann nicht nur von Menschen Besitz ergreifen, sondern auch die treibende Kraft in Regierungen werden und dafür sorgen, dass die Menschen ihre eigentliche Aufgabe vergessen: dem Volk zu dienen. Sie kann die Natur eines Menschen verändern, denn sie ersetzt die Liebe zur Menschlichkeit. Aber es gibt dieses Sprichwort in der Bibel: Was nützt es, die ganze Welt zu haben und dafür seine Seele zu verlieren?
Einige Milliardäre scheint das nicht weiter zu stören.
Viele der Menschen, die die Schwächeren unterdrücken, sind nie glücklich. Oft endet ihr Leben in Scherben. Das ist die Folge, wenn man die Verbindung zu seiner Seele verliert. Aus diesem Grund wird es immer die Notwendigkeit für Künstler und spirituelle Menschen geben. Es ist deren Mission, das Licht in unserem Inneren zum Leuchten zu bringen und uns dadurch miteinander zu verbinden. Denn alle tragen dieses Licht in sich, sie sind sich dessen vielleicht nicht bewusst, oder haben den Zugang dazu verloren.
Welche Rolle spielt Musik dabei?
Oft wird Musik nur noch als Unterhaltung verstanden, aber sie ist so viel mehr. Sie kreiert Gemeinschaft. Musik war in ihrem Ursprung eine Form, Gott zu huldigen. Wenn man an Gott und all die Mächte glaubt, die das Universum kontrollieren, dann ist sie eine Möglichkeit, sich mit dem Schöpfer aller Dinge zu verbinden. Man wird zum Gefäß dieser göttlichen Energie und kann sie weitergeben. Man kann der Funke sein, der jemandem aus der Depression hilft oder dazu inspiriert, Krebs zu heilen.
Eine Zeile des Titelsongs lautet: »Live for something real«. Wofür leben Sie?
Genau dafür, für die echten Dinge. Heutzutage ist so viel fake. Man muss sich nur die sozialen Medien und die Versionen, die viele dort von sich kreieren, anschauen. Oft verwenden sie darauf mehr Energie, als an sich selbst zu arbeiten oder mit Familien und Freunden im Hier und Jetzt zu sein. Der Wunsch, einen bestimmten Lifestyle zu repräsentieren, übernimmt. Dabei ist der einzig wahre Lifestyle, in Gemeinschaft und von dem zu leben, was die Erde uns gibt.

Jon Batiste
Big Money
Universal/Verve • 22. August
Dass Jon Batiste die Existenz von Genres schlichtweg ignoriert, beweist er mit »Big Money« einmal mehr. Der mehrfache Grammy-Preisträger, der für die Filmmusik zu »Soul« auch mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, schlägt mit seinen Songs mühelos Brücken zwischen R&B, Americana, Roots und Gospel. Dabei klingt er dermaßen frisch und leichtfüßig, dass man zunächst nicht erahnt, dass sich hinter diesen perkussiven Feelgood-Nummern auch ernste Themen verstecken. Hinhören lohnt sich also doppelt.
Katharina Raskob