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22.03. | Album der Woche

Amanda Palmer • There will be no Intermission

22.03. | Album der Woche - Amanda Palmer • There will be no Intermission

There will be no intermissionAmanda Palmer

There Will Be No Intermission

Cooking Vinyl • 08. März

Unerbittlich

Auf ihrem dritten Soloalbum singt Dresden-Dolls-Sängerin Amanda Palmer von Tod, Abtreibung und Fehlgeburten und klingt dabei schwermütig wie nie. Wenn man Ihre Songs hört, Ihre Blogeinträge liest und Ihnen auf Instagram folgt, bekommt man leicht das Gefühl, man wisse alles über Sie – vom Tod Ihres besten Freundes vor einigen Jahren bis hin zu der Magenverstimmung, mit der Sie gestern zu kämpfen hatten. Im Fotobuch zum neuen Album erklären Sie aber, dass Sie immer noch zögern, manche Themen öffentlich zu machen. Ist die völlige Transparenz also eine Illusion?

Ich halte mich immer noch bedeckt, was beispielsweise das Sexleben mit meinem Mann Neil Gaiman angeht. Generell habe ich gelernt, dass es nicht an mir ist, die Geschichten anderer Menschen zu verbreiten. Deshalb erzähle ich auch wenig über meine Familie, weil das einfach zu verletzend wäre. Aber über mich kann ich endlos reden.

Sie sagen, Sie hätten jahrelang versucht, denperfekten Abtreibungssong zu schreiben und es mit „Voicemail For Jill“ endlich geschafft – dabei haben Sie doch schon zwei perfekte Abtreibungssongs veröffentlicht.

Aber ich wollte einen schreiben, der nicht böse ist, sondern wahrhaftig. „Mandy Goes To Med School“ war ein Cabaret-Song voller schwarzem Humor und „Oasis“ war ein ironischer Popsong. Beide haben nicht mal ansatzweise erfasst, wie es wirklich ist, einen Abbruch zu haben. Ich habe jahrelang versucht, diesem Erlebnis, das ich selbst dreimal hatte, gerecht zu werden, und nie den richtigen Ton getroffen. Es ist ein verdammt schwieriges Thema, und man muss es richtig beschreiben, gerade weil es für viele Menschen so vorbelastet ist. Man kann nicht einfach nur einen mittelmäßigen Abtreibungssong schreiben, es muss ein perfekter Song sein.

Dabei hilft Ihnen dann doch die Geschichte eines anderen Menschen: „Jill“, die Sie im Song durch ihr Erlebnis begleiten.

Über Bücher sagt man, dass jede Figur ihren Autoren in sich trägt. Sagen wir einfach, ich bin jede Figur in meinen Songs. (lacht)

Passend zu seinem Titel klingt „There Will Be No Intermission“ schwermütiger als seine Vorgänger und erlaubt seinen Hörern keine Pause von schwierigen Themen wie Fehlgeburten, Tod und Selbstmord. Kann und soll es trotzdem als Alltagsflucht dienen?

Das ist die Ironie des Ganzen. Das Leben ist unerbittlich. Aber Kunst schafft einen Raum für uns alle – ob man sie nun macht, hört, anschaut, dazu tanzt – in dem wir uns eine Pause von dieser Unerbittlichkeit nehmen können. Denn wenn wir das nicht tun, werden wir irgendwann alle verrückt.

Interview: Britta Helm

Fazit: Eigentlich habe sie nicht vorgehabt, ein so trauriges Album zu schreiben, erklärt Palmer im Fotoband, den ihre Crowdfunding-Unterstützer dazubekommen. Aber ihr Leben durchkreuzte diesen Plan. Nachdenkliche Songs wie „Bigger On The Inside“ in denen sie Minuten lang zu sanftem Klavier oder der Ukulele singt, werden von kurzen instrumentalen Interludien getrennt, die „There Will Be No Intermission“ zum hörenswerten Gesamtwerk abrunden.