Musik

22.02. | Album der Woche

Sarah McCoy • Blood Siren

22.02. | Album der Woche - Sarah McCoy • Blood Siren

SarahMcCoyTränen aus Blut

Sarah McCoy

Blood Siren

Blue Note • 25. Januar

Sarah McCoy, Sängerin, Pianistin und Songwriterin aus den USA, überzeugt mit Ihrem stimmgewaltigen und schaurig schönen Major-Debüt „Blood Siren“.

Auf einem Foto zu „Blood Siren“ weinen Sie Tränen aus Blut. Leiden Sie für die Musik?

Sagen wir so: Falls ich irgendjemanden mit diesem Album zu Tode singe, dann vermutlich mich selbst. Musik vermittelt mir einerseits Leben, lässt mich aber andererseits auch ein wenig sterben. Wenn ich dabei alle meine Gefühle offenbare, dann geht es auch darum, diese Gefühle wieder zur Ruhe zu bringen. Es geht auch um dunkle Seiten. Ich meine damit Dinge, die ich nicht nur in meinem Kopf bewege, sondern auch in meinem Blut spüre. „Blood Siren“ ist gewiss nicht das fröhlichste Album dieser Welt. Ich habe viele Tränen vergossen, um die Songs schreiben zu können.

Die zurückhaltende Produktion verstärkt einmal mehr die düstere Atmosphäre des Albums. Hatten Sie das von Anfang an im Sinn?

Das Stück „Boogieman“ war die erste Nummer, die sich wirklich wie das neue Album anfühlte. Zwar hatte ich die meisten dieser Songs schon vor langer Zeit geschrieben, aber erst zu diesem Zeitpunkt bekam das Stück die Stimmung, die jetzt auf dem ganzen Album vorherrscht. Ich mag die düsteren Worte und die gesamte Atmosphäre. Aber das war keine Richtung, die wir bewusst eingeschlagen haben, als die Zusammenarbeit mit den Produzenten Chilly Gonzales und Renaud Letang begonnen hatte. Das hat sich so ergeben, weil die beiden es einfach hervorragend verstehen, sehr genau hinzuhören.

Sie haben als Jugendliche Ihr Zuhause in Charleston, South Carolina verlassen, sind in den USA umhergezogen, haben Erfahrungen gesammelt und sind schließlich in New Orleans gelandet. Dort haben Sie regelmäßig in einem Club gespielt, bevor Sie von einem französischen Filmemacher, Ihrem derzeitigen Manager, entdeckt und nach Paris gelotst wurden. Erinnerten Ihre Clubauftritte schon damals an das, was Sie nun auf „Blood Siren“ präsentieren?

Das kam auf den Moment und auf das Publikum an. Am Anfang hieß es einfach nur Gas geben. Ich habe in einen Eimer geschrien, kräftig in die Tasten gehauen und dabei Zigaretten geraucht. Auf Dauer hätte mich das umgebracht. Und das hatte es auch beinahe. Für die Auftritte hatte ich in der Regel zwei Stunden mit meinen Musikern. Dabei habe ich neben den flotteren Stücken auch einige düstere Nummern eingebaut, aber jederzeit hätte eine Hochzeitsgesellschaft reinstürmen können, die einfach nur Schnäpse kippen und feiern wollte. Da kannst du nicht mit ausschließlich düsteren Songs landen.

Interview: Michael Tschernek