21.3. | Album der Woche: Joep Beving • Liminal
Deutsche Grammophon
Er ist ein Späteinsteiger. Als der Niederländer Joep Beving, der 1976 in einem Dorf bei Emmerich zur Welt kam und heute in Amsterdam lebt, 2015 sein Albumdebüt »Solipsism« veröffentlicht, ist er bereits vierzig Jahre alt. Vorher hatte er Werbemusik komponiert. Nun aber spielte sich dieser zwei Meter große Hüne, der sein von der Großmutter geerbtes Schimmel-Piano doch so wunderbar zart und filigran zu bearbeiten weiß, in die Herzen und Seelen der ganzen Welt. Beving ist heute einer der global am häufigsten gestreamten Pianisten. Sein neues Album heißt »Liminal«, und es dient ein weiteres Mal als kleiner Ort der Stille und des Innehaltens in einer tosenden Welt. Joep Beving hat sich von Guillaume Logés Buch »Renaissance sauvage« inspirieren lassen, das sich mit Denkmodellen an der Schnittstelle zwischen Kunst, Ökologie und Philosophie beschäftigt, »When humans do algorythms« etwa ist aufgebaut wie ein repetitiver Tanz zwischen Maschine, Natur und Mensch. Bevings Zauberkraft liegt aber nach wie vor in der Ruhe von Stücken wie »Ida«.
Steffen Rüth