20.11. | Kinostart der Woche: Lolita lesen in Teheran
Foto: Marie Gioanni
Lolita lesen in Teheran
1 Std. 48 Min
Gefährlich ist immer das Wort, nie sind es die Machthaber mit ihren Folterkellern. Eine Absurdität, die sich besonders dort »kultiviert«, wo die Autorität die Menschen (mund)tot macht. Als Azar Nafesi Ende der 1970er-Jahre in den Iran kommt, um als Professorin englische Literatur zu lehren, wollte sie nicht wahrhaben, dass sich nach dem Schah noch etwas Oppressiveres ausbreitet. Sie hat ja Argumente dafür, dass eine Revolution die Diskussion über »Den großen Gatsby« oder »Lolita« nicht tangiert. Ein tragischer Irrtum, den die kämpferische, stolze Iranerin erst erkennt, als eine ihrer Studentinnen hingerichtet wird und ihre Vorlesung im Kreise von sieben Gleichgesinnten zum Geheimtreffen avanciert. Doch Flucht ist noch keine Option. Nach den Memoiren Nafesis inszeniert Eran Riklis ebenso eingängig wie erschütternd den stillen Kampf einer Frau, die Freiheit durch die Freiheit des Geistes propagiert. Doch Freiheit kann nur leben, wo Argumente zählen. Azar Nafesi wohnt seit 1997 in den USA... noch!
Jörg Gerle