19.3. | Kinostart der Woche: La Grazia

19.3. | Kinostart der Woche - La Grazia
Foto: Andrea Pirrello

Mariano De Santis (Toni Servillo) hat es nicht leicht. Der italienische Ministerpräsident soll zum Ende seiner Amtszeit ein Gesetz zur Sterbehilfe unterzeichnen. »Unterschreibe ich nicht, bin ich ein Folterer, unterschreibe ich, bin ich ein Mörder«, grübelt Servillo zu Beginn. »Betonkopf« wird er genannt. Einer, der sich in der Regel nicht einmischt und lieber auf Nummer sicher spielt, während die Regierungskrisen an ihm vorbeiziehen. Doch den Tod kann man nicht vorüberziehen lassen. Regisseur Paolo Sorrentino (»Parthenope«) zeigt Servillos Zerrissenheit in Filmbildern, die sich Zeit lassen. Hier sehen wir weite Landschaften, dort düstere Korridore. Einige Bildausschnitte erinnern an frühere Ölmalerei, manche Zeitlupen könnten in Musikvideos Verwendung finden. So fühlen sich Melancholie und Zukunftsangst an. 133 Minuten Film geraten dabei etwas lang, laden zugleich aber zur Selbstreflexion ein. Über allem schwebt in »La Grazia« (»Die Anmut« oder »Die Gnade«) die Frage, wem unsere Tage gehören.

Benjamin Freund


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